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Neue Forschungsstätte für die Mobilität der Zukunft

Thüringens Wirtschafts- und Wissenschaftsminister feierte gestern mit Mitarbeitern der TU Ilmenau sowie mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft die Einweihung eines neuen Universitätsgebäudes.

Eröffnung des Rollenprüfstands MASTER: (v.l.) Professor Peter Scharff, Rektor der TU Ilmenau, Thüringens Wissenschaftminister Wolfgang Tiefensee und Professor Klaus Augsburg, Prorektor für Wissenschaft der TU Ilmenau. Foto: wr

Im Rahmen des Antrittsbesuchs des Thüringer Ministers für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, Wolfgang Tiefensee, an der TU Ilmenau, wurde gestern das Hauptgebäude des Thüringer Innovationszentrums Mobilität (ThIMo) an der Universität offiziell eingeweiht. Der Minister konnte dabei auch die Übergabe und Inbetriebnahme des Großprüfstandes MASTER erleben. Nachdem zwei neue Großprüfstände und eine Vielzahl komplexer Simulationsumgebungen installiert wurden, stehen nun an der TU Ilmenau exzellente wissenschaftliche Forschungsmöglichkeiten zur Entwicklung von innovativen Fahrzeugkonzepten bereit. An der Einweihungsfeier nehmen Vertreter aus Politik und Wirtschaft teil, darunter Landrätin Petra Enders und Ilmenaus Oberbürgermeister Gerd-Michael Seeber, ebenso der Vorstandsvorsitzende der Initiative Erfurter Kreuz, Franz-Josef Willems. 

In seiner Begrüßungsansprache hob Professor Peter Scharff, Rektor der TU Ilmenau, die interdisziplinäre wissenschaftliche Arbeit hervor, die aber für die gesamte TU Ilmenau kennzeichnend sei. Der Sprecher des Thüringer Innovationszentrums Mobilität, Professor Matthias Hein verwies auf Projekte mit internationaler Ausstrahlung, die in dem neuen Gebäude zum Erfolg geführt werden. Er ging davon aus, dass die Investition des Freistaates von mehr als 20 Millionen Euro dem gesamten Land in Form gewinnträchtiger Forschungsergebnisse schon bald wieder zugute kommen. 20 Professuren und 100 Wissenschaftler der TU Ilmenau sind in Forschungsprojekte eingebunden, die am ThIMo bearbeitet werden.

Minister Tiefensee zeigte sich beeindruckt von der Forschung im ThIMo: „In unseren vergleichsweise kleinen Land müssen wir die Kräfte bündeln. Deshalb war es wichtig, das Innovationszentrum an der TU Ilmenau aufzubauen und dabei zu klotzen und nicht zu kleckern.“ Tiefensee nannte das ThMo eine zentrale Forschungsstätte für nachhaltige Mobilität: „Hier soll für ganz Deutschland eine Anlaufstelle entstehen, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht.“ Tiefensee verwis dabei insbesondere auf die hohe Bedeutung der Kooperation. Ohne enge Zusammenarbeit mit Partnern aus der Automobilindustrie, die in Thüringen den größten Industriezweig stelle, sei eine Einrichtung wie das ThIMo nicht möglich.

Professor Klaus Augsburg präsentierte dann den neuen Rollenprüfstand MASTER, der im Rahmen der Einweihungsfeier seiner Bestimmung übergeben wurde. Der Prüfstand hat bereits ein großes Echo in der Welt der Fahrzeugentwickler gefunden, weil er neben seiner anspruchsvollen Leistungsparameter von Antriebstechnik (Antriebsleistung 4 mal 250 Kilowatt), Mess- und Regeltechnik sowie Klimatechnik (Klimakammer mit den Maßen 12 mal 8 mal 5 Meter und Temperaturregelung im Bereich zwischen – 20 und + 45 Grad) von besonderer Vielseitigkeit der experimentellen Möglichkeiten geprägt ist. Die gesamte Investitionssumme für den Rollenprüfstand und seine Spezialmesstechnik ist mit etwa 2,75 Millionen Euro zu beziffern, die durch eine Infrastrukturförderung des Wirtschaftsministeriums ermöglicht wurde.

2011 wurde für das Thüringer Innovationszentrum Mobilität gegründet mit dem Anliegen, an Fahrzeugen der Zukunft zu forschen. Das ThIMo wurde gegründet, um Wissenschaftlern und ihren Projektpartnern aus der Wirtschaft exzellente Bedingungen für innovative Forschungsprojekte bieten zu können. In dem Gebäude arbeiten derzeit schon 18 Wissenschaftler, acht technische Mitarbeiter und 20 Studenten der TU Ilmenau an Projekten zur Entwicklung künftiger Fahrzeuge. In dem Haus konzentriert sind technologische Labore, eine Vielzahl moderner Analysegeräte für technische Systeme und zahlreiche leistungsfähige Simulationsrechner. Nachdem auch die Hightech-Prüfstände MASTER („Multivalent anwendbare Simulations- und Testumgebung, Vier-Rollenprüfstand“) und VISTA („Virtuelle Straße“) installiert wurden, starten nun die Forschungsarbeiten an Antriebstechnik, Fahrsicherheitstechnik sowie Mess- und Regeltechnik.

Von herausragender strategischer Bedeutung für die künftigen Forschungsarbeiten zur Mobilität an der TU Ilmenau dürfte aber seine Ausrüstung als Netzwerk-Knoten von Simulationsmodellen des gesamten Fahrzeuges oder seiner Subsysteme und zusätzlich als Koppelstelle zwischen diversen Komponentenprüfständen sein. Via Ethernet können so in Echtzeit Prüfstände gekoppelt werden, die auch räumlich weit voneinander getrennt aufgestellt sind. Natürlich kann auch durch die Kopplung von Fahrzeugsimulationen mit dem Rollenprüfstand ein führerloser Langzeitbetrieb auf dem Rollenprüfstand beim Abfahren realistischer Fahrzyklen ermöglicht werden. Diese Systematik wird an der TU Ilmenau als „X-in-the-loop“ (XIL) bezeichnet.