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Thüringer Energieeffizienzpreis für Großbreitenbacher Unternehmen: Prima Klima im Firmengebäude aus Holz

Hohe Tanne GmbH heißt das Unternehmen, das den Thüringer Energieeffizienzpreis 2021 gewonnen hat. Der junge Betrieb fühlt sich nicht nur dem Namen nach der Natur verpflichtet.

Für den Bau eines klimaneutralen Firmengebäudes in Holzbauweise hat die Hohe Tanne GmbH in Großbreitenbach den Energieeffizienzpreis 2021 und ein Preisgeld von 8000 Euro gewonnen. Foto: Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur

Daniel Fuchs, Prokurist der Hohe Tanne GmbH Großbreitenbach. Foto: Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur

Wenn sich jemand im Moment wegen unentwegt steigender Gaspreise keine Gedanken machen muss, dann ist es die Geschäftsführung der Hohe Tanne GmbH in Großbreitenbach im Ilm-Kreis. Das erst fünf Jahre alte Unternehmen verfügt in seinem Neubau auf dem früheren Gelände des VEB Glaswerke zwar auch über eine Gas-Therme. Doch angeworfen wurde diese bisher noch nie. Sowohl die Fertigungshalle als auch das Bürogebäude können nämlich zuverlässig mit Erdwärme beheizt werden – und das selbst bei bis zu minus 20 Grad Celsius, die in dieser Region winters mitunter erreicht werden. „Dazu haben wir fünf Bohrungen in bis zu 99,9 Metern Tiefe eingebracht“, sagt Prokurist Daniel Fuchs. Der Stromverbrauch der Pumpe, die das warme Wasser nach oben befördert, sei derart gering, dass sich die gesamte Anlage innerhalb weniger Jahre amortisiere. Genutzt wird zudem auch die Abwärme aller Maschinen, welche in der kalten Jahreszeit zum Heizen in die Werkhalle und im Sommer aus ihr heraus geleitet wird. Einen Beitrag zum Umweltschutz leistet darüber hinaus die stromsparende LED-Beleuchtung im gesamten Objekt. Die Mitarbeiter in der Verwaltung können diese in jedem Raum ebenso ihren Bedürfnissen entsprechend einstellen wie die durch die Erdwärme gespeiste Fußbodenheizung. Dafür hat die Hohe Tanne GmbH in Großbreitenbach den Energieeffizienzpreis 2021 in der Kategorie Unternehmen und ein Preisgeld von 8000 Euro gewonnen.

Ein besonderes Raumklima für einen Industriebetrieb

Für ein besonderes Raumklima sorgt der für einen Industriebetrieb ungewöhnliche Holzbau. Entstanden nach einem eigenem Entwurf und detailliert geplant durch den Weimarer Architekten Michael Brehme, besteht er nicht nur aus einem langlebigen Rohstoff, der bereits große Mengen CO2 gebunden hat. „Er fügt sich auch gut in den Fichtenwald hier auf der Hohen Tanne ein und wird von der Belegschaft als sehr angenehm empfunden. Ein Ort also, an dem man sehr gerne arbeitet“, versichert Daniel Fuchs: „Zugleich wird weniger Wasser benötigt.“ Das schone nicht nur die Umwelt, es sei auch für die Industrie von großem Interesse. „Schließlich verdient man während der Reinigungsarbeiten kein Geld.“

Die Ingenieure und Techniker der Hohe Tanne GmbH schneiden solche Systeme exakt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden zu. Die sind indes nicht nur in der gesamten Bundesrepublik, sondern beispielsweise auch in Österreich zu Hause – und jedes Mal angetan, wenn sie bei einem Firmenbesuch in Großbreitenbach sehen, dass hier ein Betrieb in puncto Energieeffizienz sozusagen das Gesamtpaket liefert. Das Unternehmen, das im Firmenlogo ein Zahnrad mit einem Tannenzapfen führt, also Technik und Natur verknüpft, will personell und räumlich weiter expandieren. Deshalb werden auch noch neue Fachkräfte wie Ingenieure, Mechatroniker und CNC-Fräser gesucht. Die Nachhaltigkeit in der Geschäftsphilosophie, ist Daniel Fuchs überzeugt, sei dafür in der heutigen Zeit ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Die Hohe Tanne GmbH wurde im Jahr 2016 als Startup in Großbreitenbach gegründet. Als innovatives Unternehmen, welches im Bereich der vollautomatischen Fertigung feinmechanischer Komponenten und Baugruppen tätig ist, versteht dieses sich als Teil der Region Landgemeinde Stadt Großbreitenbach. Dabei steht das Prinzip des „nachhaltigen- und klimafreundlichen Wirtschaftens“ ganz oben auf der Firmenagenda. Im Prozess der Gründung des Unternehmens wurde bewusst ein naturnaher Unternehmensstandort am Wald gewählt. Nach dem Motto „Arbeiten, wo andere Urlaub machen“ bildet der Unternehmensneubau die Basis des Konzeptes. Der Bewerbungsgegenstand des vorliegenden Antrages ist die Errichtung des Neubaus Fertigungshalle und Bürogebäude der Hohe Tanne GmbH aus Großbreitenbach, als klimaneutrales Firmengebäude in Holzbauweise.

Grundgedanke: klimaneutrales Gebäude errichten

Nach der Gründung des Unternehmens im Jahr 2016 wurde auf einer Grundfläche von 3600 Quadratmetern ein kompletter Holzbau, angelehnt an Holzbaukonzept aus Österreich, in den Jahren 2017 bis 2018 errichtet. Die Entscheidung, die Fertigungshalle und das Bürogebäude als Einheit in vollständiger Holzbauweise zu errichten, lag dem grundsätzlichen Gedanken zu Grunde, ein klimaneutrales Gebäude zu errichten, welches sich in die Landschaft des Thüringer Waldes einbettet. Darüber hinaus war bei der Auswahl des Gebäudestandortes die enge Anbindung an den Ilm-Rennsteig-Radweg, der direkt am Firmengelände entlang führt, ein wesentliches Argument. Damit war der Gedanke verbunden, dass die Beschäftigten auch klimafreundlich mit dem Rad zum Unternehmensstandort gelangen. Als weicher Standortfaktor zur Gewinnung von Fachkräften für das Unternehmen ist dieses ein wichtiges Element zur Entwicklung des noch jungen Unternehmens im ländlichen Raum. Von den derzeit 18 Mitarbeitern fährt die Mehrheit regelmäßig auch aus entfernteren Regionen (zum Beispiel Landkreis Saalfeld Rudolstadt) mit dem Rad zur Arbeit.

Das Energiekonzept des Gebäudes basiert auf Erdwärme (99.9 Meter tief), mit Fußbodenheizung in Niedertemperatur geführt. Als Redundanztechnik fungiert eine Gasbrennwerttherme, die allerdings bisher nicht zur Versorgung benötigt wurde. Darüber hinaus wird die warme Abluft aus den Kompressoren der Prozesskette für die Bereitstellung der Wärme in der Fertigungshalle aktiv genutzt. Mit dem vorhandenen Wärmekonzept wird das Gebäude klimaneutral und dezentral mit Wärme versorgt. Zur Teil- oder Vollversorgung des Unternehmens mit elektrischer Energie ist die Planung von Photovoltaik auf einer firmeneigenen Freifläche angedacht. Die für eine Photovoltaikfreiflächenanlage angedachten Flächen beweiden derzeit Schottische Hochlandrinder, die für Offenhalten der Flächen auch zukünftig genutzt werden sollen. Damit soll es auch gelingen, die naturschutzfachliche Aufwertung der Flächen durch das Beweidungskonzept zu erreichen.

Zur Hohe Tanne GmbH

Die Preisträger auf einen Blick:

„Energieeffizienz in Unternehmen“
1. Platz und 8000 Euro Preisgeld: die Hohe Tanne GmbH aus Großbreitenbach für den Bau eines klimaneutralen Firmengebäudes in Holzbauweise.
2. Platz und 5000 Euro Preisgeld: Grabenmühle Kellner aus Schimberg im Landkreis Eichsfeld für die energetische Ertüchtigung einer Getreidemühle.
Sonderpreis und 2000 Euro Preisgeld: die Robert Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach GmbH für die Schaffung eines CO-neutralen Firmenstandortes.

„Klimaschutz in Kommunen“
1. Platz und 8000 Euro Preisgeld: die Stadt Greiz für die innovative Nutzung von Gewässerwärme zum Beheizen einer Seniorenwohnanlage.
2. Platz und 5000 Euro Preisgeld: der Landkreis Saale-Holzland für das Entwickeln und Umsetzen eines nachhaltigen Energiemanagements.
Sonderpreis und 2000 Euro Preisgeld: Die Stadt Weimar für die Grüne Hausnummer und ihr Engagement für nachhaltiges Bauen und Sanieren.

Zum Thüringer Energieeffizienzpreis 2021