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Gute Geschäftszahlen und wachsender Personalbedarf

Die Photonikindustrie im Freistaat Thüringen präsentiert sich laut OptoNet e.V. im Jahr 2015 zum wiederholten Mal in Folge stabil und auf Wachstumskurs.

Mitarbeiter der TechoTeam GmbH Ilmenau, eines OptoNet-Mitgliedsunternehmens, bei der Montage eines Goniophotometers. Foto: wr

Im jüngsten Wachstumsreport verweist das Photoniknetzwerk Thüringen OptoNet e.V. darauf, dass die 175 Unternehmen und neun Forschungseinrichtungen der Branche mit großer Mehrheit erfolgreiche Geschäftsjahre mit Umsatzwachstum und Personalaufbau hinter sich haben und optimistisch in die Zukunft blicken. Seit 2013 stieg der jährliche Gesamtumsatz der Branche leicht auf 2,85 Milliarden Euro an. Die Beschäftigtenzahlen liegen aktuell bei 15.200 Mitarbeitern. Bis 2015 erwarten die Unternehmen mehrheitlich wachsende Erträge und planen weiteren Mitarbeiterzuwachs. Sechs Unternehmen aus dem Ilm-Kreis und die TU Ilmenau sind Mitglieder im OptoNet. Für den Wachstumsreport, den das Institut für Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Auftrag von OptoNet erarbeitete, wurden 134 Unternehmen ausführlich zu ihren Geschäftszahlen und Zukunftsprognosen befragt.

Befragt nach ihrer aktuellen Geschäftssituation, verweisen rund drei Viertel der Firmen auf eine „sehr gute“ bzw. „gute“ wirtschaftliche Lage. „Die Auftragssituation ist vor allem bei den Herstellern von Medizintechnik und in der Produktionstechnik sehr gut“, erklärte Klaus Schindler, Geschäftsführer von OptoNet. „Auch die Anbieter von Messtechnik und Sensorik berichten von einer guten Nachfrage.“ Viele Akteure der Thüringer Photonik blicken auf zwei umsatzstarke Jahre mit Zuwachsraten von bis zu zehn Prozent zurück. Dass die Wachstumszahlen der Gesamtbranche hinter den Erwartungen zurückblieben, liegt an den Rückgängen bei den früher umsatzstarken Vertretern des Solarbereiches. Die Umsatzerwartungen für das laufende Geschäftsjahr lassen dennoch wieder teilweise kräftige Zuwächse vorhersagen: Mehr als 60 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Erträgen.

Der Exportanteil am Umsatz ist mit 66 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die durchschnittliche Exportrate des verarbeitenden Gewerbes in Thüringen. Diese Ausfuhrquote unterstreicht die hohe internationale Orientierung der Unternehmen und beweist ihre Wettbewerbsfähigkeit auf globalem Niveau. Die wichtigsten Exportmärkte sind Westeuropa, Nordamerika und China. Der Erfolg der Unternehmen ist vor allem auf ihre hohe Innovationskraft zurückzuführen: Etwa 35 Prozent der Unternehmen behaupten nach eigenen Angaben mit ihren Produkten die Spitzenposition im internationalen Wettbewerb, weitere 55 Prozent sehen sich im High-End-Bereich auf gleicher Augenhöhe mit anderen Technologieunternehmen. Forschung und Entwicklung spielen daher eine herausragende Rolle in den befragten Firmen. 10Prozent des Gesamtumsatzes werden dafür reinvestiert.

Seit der letzten Befragung im Frühjahr 2013 sank die Zahl der Beschäftigten um rund 150 auf 13.900 Personen. Zusammen mit den 1.300 Mitarbeitern in universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen arbeiten damit rund 15.200 Fachkräfte in der Photonikbranche des Freistaats. Dass der tatsächlich realisierte Personalaufbau (850 Personen) bei den Kernunternehmen der Branche hier nicht deutlicher sichtbar wird, liegt an den überproportional hohen Rückgängen in der Photovoltaikbranche. Für 2015 und die kommenden zwei Jahre gehen die meisten Unternehmen von konstanten (36 Prozent) oder weiter wachsenden (62 Prozent) Mitarbeiterzahlen aus. Bis Ende 2017 sollen jährlich rund 450 Fachkräfte neu eingestellt werden. Altersbedingt werden in dieser Zeit zusätzlich rund 600 Stellen neu zu besetzen sein. Insgesamt werden demnach bis Ende 2017 rund 1.950 neue Mitarbeiter gebraucht. Mit der derzeitigen Ausbildungsquote von 4,6 Prozent und den zu erwartenden Absolventenzahlen an den Thüringer Hochschulen wird dieser Bedarf nicht zu decken sein.

Das erste Mal wurden die Unternehmer zu den Entlohnungsmodellen und zur Höhe der Gehälter befragt. Knapp die Hälfte der Firmen ist tariflich gebunden oder orientiert sich am Flächentarif. Im Verhältnis zum durchschnittlichen deutschen Branchenlohn liegen die Thüringer Gehälter für Physiker und Ingenieure in der Photonik bei etwa 85 Prozent. Nach jahrelanger Stagnation bei den Firmengründungen hat die Gründungsdynamik in den letzten beiden Jahren deutlich Fahrt aufgenommen. Vor allem aus dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik und dem Institut für Angewandte Physik der FSU Jena haben junge Nachwuchsforscher den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.

Die Mehrheit der befragten Unternehmen ist Mitglied im Photoniknetzwerk OptoNet und nutzt die Angebote des Firmenverbundes im Bereich Kooperationsvermittlung, Marketing und Nachwuchsgewinnung. Diese Angebote der Geschäftsstelle werden fast ausschließlich mit „gut“ oder „sehr gut“ bewertet. Damit sieht sich Geschäftsführer Klaus Schindler bei den wichtigsten Arbeitsfeldern des Netzwerkes bestätigt. Stärker engagieren will er sich in Zukunft bei der strategischen Internationalisierung der Netzwerkarbeit:  Mit einem vom BMBF geförderten Projekt sollen erstmals internationale Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit ausgewählten Clustern in den USA, Kanada, Japan und Südkorea auf den Weg gebracht werden.

OptoNet bündelt die Interessen von rund 100 Akteuren des Thüringer Optikclusters, fördert deren Vernetzung und stimuliert Kooperationen mit dem Ziel, die Entwicklung der Optischen Technologien in der Region voran zu bringen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die nationale und internationale Sichtbarkeit des Cluster zu steigern. OptoNet versteht sich dabei als Dienstleister seiner Mitglieder, schafft eine gemeinsame Kommunikations- und Kooperationsplattform und engagiert sich aktiv beim Standortmarketing.