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Familiäres Betriebsklima und gelungene Unternehmensnachfolge

Ein breites Sortiment an Kindermöbeln prägt das Produktionsprogramm des Böhlener Werkes der Schardt GmbH & Co. KG.

Rundgang in der Schardt GmbH: Die Geschäftsführer Philipp (l.) und Barbara Schardt (r.), Andreas Beyersdorf, Vorsitzender der VG Großbreitenbach (2.v.l.), Landrätin Petra Enders (Mitte) und Seniorchef Rainer Schardt (2.v.r.). Foto: wr

Im Oberfränkischen Mitwitz, im Kreis Kronach, liegt der Hauptsitz der  Schardt GmbH & Co. KG. In Böhlen betreibt der Hersteller von hochwertigen Kinder- und Kleinmöbeln eine Produktionsstätte mit 27 Mitarbeitern. Gestern besuchte Landrätin Petra Enders den Firmenstandort Böhlen. Rainer Schardt, der das Unternehmen über Jahrzehnte geführt hat, die Geschäftsleitung aber inzwischen an seine Kinder Philipp und Barbara Schardt übergeben hat, präsentierte mit diesen gemeinsam den Betrieb. Mit dabei war Andreas Beyersdorf, Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach, sowie Vertreterinnen der Wirtschaftsförderung Ilm-Kreis, des Jobcenters und der Sparkasse Arnstadt-Ilmenau.

1992 entdeckte Rainer Schardt den ehemaligen Qualitätsmöbelbau Großbreitenbach in Böhlen eher zufällig. Er war auf der Suche nach einem Werk zur Verarbeitung von Möbelplatten und hatte von einem Bekannten erfahren, dass dies in Böhlen möglich ist. Die Treuhand stellte die Immobilie und die Fertigungsanlagen zum Verkauf und wollte den Betrieb eigentlich schließen. Erst erschien Schardt die Fabrik viel zu groß für sein Vorhaben, aber er erwarb sie schließlich doch. Heute, so sagte der Unternehmer, sei er froh, damals so gehandelt zu haben, denn der Platz ist mit der Zeit so knapp geworden, dass ein Erweiterungsbau erforderlich wurde. Inzwischen ist die gesamte Möbelproduktion auf Plattenbasis in Böhlen angesiedelt. Der Standort Mitwitz konzentriert sich auf die Herstellung von Massivholzprodukten, auf zugehörige Textilien sowie auf die Produktentwicklung.

Rund sechs Millionen Euro hat das Familienunternehmen in den vergangenen 24 Jahren in die Weiterentwicklung des Böhlener Werkes investiert. Vor allem die Produktionsanlagen wurden auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Ein hoher Automatisierungsgrad prägt heute die Fertigungslinien. Dennoch, so betonte Philipp Schardt, wurde die Automatisierung nicht so weit getrieben, dass kaum noch Mitarbeiter nötig wären. Das Ziel habe immer auch darin bestanden, Arbeitsplätze in dem kleinen Ort zu schaffen, in dem die Möbelfabrik das einzige Unternehmen ist. Das bestätigte auch Betriebsleiter Stefan Feick, der für den täglichen reibungslosen Ablauf im Böhlener Werk sorgt. Die ursprüngliche Zahl von rund 150 Mitarbeitern wie zu DDR-Zeiten konnte freilich nicht aufrecht erhalten werden. Dennoch bietet Schardt im Umland von Böhlen und Großbreitenbach Beschäftigung und engagiert sich auch in der Berufsausbildung.

In Entwicklung und Design wurden Kinderzimmer als sehr variable Produkte konzipiert, die in vielfältigen Ausstattungsvarianten und Konfigurationen hergestellt und verkauft werden. Von vornherein, so Philipp Schardt, sei es darum gegangen Dinge herzustellen, die nicht jeder zu bieten hat. Dazu zählt unter anderem ein Kinderzimmer, das ohne Schrauben und ohne jedes Werkzeug zusammen gebaut werden kann. Es werden Kinderzimmer angeboten, die gewissermaßen mitwachsen bis zum Jugendzimmer, ergänzte Barbara Schardt. Nicht zuletzt werden Einzelstücke wie Betten, Hochstühle, Laufgitter, Wickeltische, Wiegen und sonstiges Zubehör hergestellt. Sie wies auf die zunehmende Nachfrage von Textilien als Ergänzung zu Möbeln hin, die das Unternehmen im Sortiment hat. Das sei nötig, um als Vollanbieter wahrgenommen zu werden.

Auch den Vertrieb haben die jungen Geschäftsführer ausgebaut. Der Onlinehandel hat enorme Bedeutung gewonnen. So arbeitet die Schardt GmbH & Co. KG mit einer Reihe von deutschen und internationalen Onlinehändlern zusammen, wobei Amazon ganz an der Spitze steht. Die Ware wird über einen Online-Anbieter verkauft und dann direkt von Böhlen aus an den Empfänger geliefert. Aber auch zahlreiche Fachhändlern und große Möbelhäuser werden beliefert. Nach ganz Europa gehen die Kinderzimmer, aber vor allem im Inland werden sie verkauft. Ungeachtet dessen arbeiten die Schardts permanent daran, die Vertriebswege zu erweitern. Die Präsenz auf Fachmessen wird dazu unter anderem genutzt. Momentan geht es darum, den Markt in Frankreich zu erschließen.

Damit auch die Produktion mit den Anforderungen des Marktes mithalten kann, werden regelmäßig Investitionen in die technische Ausstattung getätigt. Das ist auch 2016 wieder so. Mit rund 500.000 Euro modernisieren die Unternehmer den Maschinenpark. Insbesondere der Verpackungsbereich wird mit der Teilautomatisierung davon profitieren. Dann können die Verpackungskartons maßgeschneidert nach dem jeweiligen Produkt selbst hergestellt werden. 

Landrätin Petra Enders, die sich während der Gespräche und beim Betriebsrundgang besonders für den Fachkräftebedarf und die Situation der Mitarbeiter interessierte, stellte fest, dass im Böhlener Werk eine regelrecht familiäre Atmosphäre bestehe. Rainer Schardt unterstrich, dass darauf und auf ein gutes Betriebsklima größter Wert gelegt werde. Enders freute sich, dass ihr in Böhlen „echtes Unternehmertum“ begegnet ist, das für die wirtschaftliche Entwicklung der Region um Großbreitenbach viel geleistet hat. Dass die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie offenbar gesichert ist, hob sie als großen Gewinn für die Firma und deren Beschäftigte hervor. Am Ende überreichte sie den Unternehmern einen Bildband vom Ilm-Kreis.