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Der Ilm-Kreis weist erneut eine besonders stabile Konjunktur aus

Überwiegend positiv schätzen Unternehmen im Ilm-Kreis ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage ein, die Erwartungen sind dagegen deutlich moderater.

Die Unternehmen im Ilm-Kreis beurteilen ihre Situation als überwiegend positiv, erwarten für die Zukunft aber weniger dynamisches Wachstum. Foto: wr

Die IHK Südthüringen hat ihre jüngste Konjunkturumfrage für den Frühsommer 2018 vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass der Boom zwar weiter geht, doch in den ersten Monaten von 2018 das Wachstumstempo der Südthüringer Wirtschaft etwas weniger Dynamik aufwies. Der Jahresausblick bleibt positiv, doch es werden erste Grenzen sichtbar. Die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) zeigt die Wirtschaft mit hoher Schlagzahl, doch nachlassendem Expansionstempo. Die Engpässe im Personalbereich erschweren die Erweiterung von Kapazitäten. Die Geschäftslage der Unternehmen ist seit einem Jahr nahezu unverändert gut. Die Erwartungen fallen hingegen etwas zurückhaltender aus. Daher geht der Konjunkturklimaindikator nach dreijähriger Expansion erstmals wieder leicht zurück. Er sinkt um 2 Punkte und erreicht nun 123,4 von 200 möglichen Punkten.

Konjunkturklimaindikator im Ilm-Kreis gestiegen

Das gilt auch für den Ilm-Kreis. Mit einem Konjunkturklimaindikator, der Anfang 2018 gegenüber dem Herbst 2017 um 6,2 Punkte gestiegen ist und nun bei 130,4 Punkten liegt, weist der Ilm-Kreis eine besonders stabile Konjunktur aus. Dieser Anstieg liegt deutlich über den Werten der anderen Regionen im Kammerbezirk der IHK Südthüringen. Der Ilm-Kreis liegt damit vor der Stadt Suhl, die ihren Indikator um 5,2 Punkte verbesserte und dem Landkreis Hildburghausen, dessen Indikator um drei Punkte wuchs. Abschläge mussten dagegen der Landkreis Schmalkalden-Meinigen mit minus 4,6 Punkten und der Landkreis Sonneberg mit sogar 10,5 Punkten hinnehmen.

Im Ilm-kreis schätzten 63,5 Prozent der befragten Unternehmen die wirtschaftliche Lage als positiv ein, 35,3 Prozent als neutral und nur 1,2 Prozent als negativ. Ganz anders zeigten sich dagegen die Erwartungen an künftige Entwicklungen. Hier gaben nur 16,3 Prozent der befragten Unternehmen im Ilm-Kreis positive Erwartungen an. 72,1 Prozent positionierten ihre Erwartungen auf neutral. Immerhin 11,6 Prozent erwarten eher negative Entwicklungen. Damit liegen positive und negative Erwartungen gar nicht weit auseinander.

Indikator sinkt in der Industrie, steigt in Handel und Gastgewerbe

Insgesamt sinkt der Indikator in der Industrie, im Verkehrsgewerbe und in der Dienstleistungswirtschaft. Er steigt im Handel und im Gastgewerbe. Im Baugewerbe bleibt er nahezu unverändert. Branchenübergreifend bewerten derzeit 54 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut und 38 Prozent als befriedigend. Für die kommenden Monate rechnen 17 Prozent der Befragten mit besseren Geschäften, 70 Prozent erwarten keine weitere Veränderung. Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, sagte dazu: „Die aktuelle Geschäftslage bietet eine Aneinanderreihung von Rekorden: Die Industrie erreicht die beste Auftragslage seit der Wiedervereinigung, die Ausgabefreudigkeit der Kunden des Handels ist so hoch wie nie, die Kapazitätsauslastung im Verkehrsgewerbe erreicht Spitzenwerte, das Gastgewerbe rechnet mit einem sensationellen Umsatzanstieg – die Konjunktur läuft in diesen Tagen rund.“

Die Investitionsplanungen fallen in allen Branchen mit Ausnahme des Handels etwas zurückhaltender aus als zu Beginn des Jahres. Ersatz- und Rationalisierungsinvestitionen sowie Investitionen im Forschungs- und Entwicklungsbereich werden von einem etwas größeren Unternehmensanteil genannt. Erweiterungsinvestitionen will vor allem die Industrie vornehmen. Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung ist mehr Produktionsfläche dringend erforderlich.  Pieterwas betonte aber: „Zunehmend stellt man sich die Frage, wer in den neu geschaffenen Betriebsteilen beschäftigt werden soll. In Thüringen vergehen durchschnittlich 98 Tage zwischen der Ausschreibung und der Besetzung einer freien Stelle. In Teilen der Industrie sind es sogar durchschnittlich zwischen 150 und 200 Tagen. Es tobt ein harter Konkurrenzkampf um Fachkräfte. Wer hier nicht erfolgreich agiert, kann nicht mehr weiterwachsen. Diese Sorge spiegelt sich in unserer Befragung zu den Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung wider.“

Sorge um Fachkräfteengpässe

Mehr als 71 Prozent der Unternehmen treibt hingegen die Sorge um, in Zukunft nicht mehr in allen Fällen das benötigte Personal zu haben. Vorausrechnungen lassen erwarten, dass die Fachkräfteengpässe in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden. Im dauerhaften Personalmangel liegt daher die eigentliche Gefahr für die Wirtschaft in Thüringens Süden. Einen Vorgeschmack hierauf gab die hartnäckige Grippe- und Erkältungswelle des Frühjahrs. Knapp 43 Prozent der Unternehmen betrachten daher hohe Krankenstände als Konjunkturrisiko. Dr. Pieterwas stellte klar: „Man muss diese Befürchtungen im Fachkräftebereich ernst nehmen, denn sie gefährden die weitere Wirtschaftsentwicklung in Südthüringen. Gegenwärtig vertrauen die Unternehmen aber mehrheitlich darauf, dass weitere Neueinstellungen gelingen. Insbesondere die Industrie ist zuversichtlich, ihre vielen freien Stellen in nächster Zeit zu besetzen. Gelingt dieses Unterfangen durch Zuwanderung und die weitere Erhöhung der Beschäftigungsquote, könnte das Wachstum noch einmal in die nächste Runde gehen.“