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Informationsethik wird für die deutschen Bibliotheken immer wichtiger

Dr. Arne Upmeier, stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Ilmenau, ist zum Ethikbeauftragten des Deutschen Bibliotheksverbands gewählt worden.

Dr. Arne Upmeier, stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Ilmenau und neuer Ethikbeauftragter des Deutschen Bibliotheksverbands. Foto: TU Ilmenau

Die Vollversammlung des Deutschen Bibliotheksverbands hat Dr. Arne Upmeier, stellvertretender Direktor der Universitätsbibliothek Ilmenau, einstimmig zum neuen Ethikbeauftragten gewählt. Der Deutsche Bibliotheksverband vertritt die rund 10.000 Bibliotheken in Deutschland. Die Technische Universität Ilmenau schätzt sich glücklich darüber, dass ein leitender Mitarbeiter der eigenen Universitätsbibliothek als Ethikbeauftragter Einfluss im Deutschen Bibliotheksverband hat, denn Informationsethik wird für die Bibliotheken immer wichtiger.

Nach seiner Wahl betonte Upmeier die Bedeutung, die er seinem neuen Amt als Ethikbeauftragter beimisst: „Bibliotheken sind mit ihrer neutralen und überparteilichen Bestandsauswahl das beste Bollwerk gegen ‚Fake News‘ und einseitigem Meinungsmachen. Dieser Aufgabe immer gerecht zu werden, ist im Einzelfall aber gar nicht so leicht. Typische Fragen im Bibliotheksalltag sind: Wie ist mit extremistischen Schriften umzugehen, egal ob von rechts oder links? Was geschieht mit Büchern wie der Dissertationsschrift von Theodor zu Guttenberg: Sollten sie als historisches Dokument im Bestand bleiben oder als Plagiat vernichtet werden? Wie viel Einfluss darf ein gewählter Bürgermeister auf die Medienauswahl in ‚seiner‘ Bibliothek haben?“

Der Ethikbeauftragte steht den Bibliotheken beratend zur Seite

Bei solchen Fragen steht der Ethikbeauftragte den Bibliotheken beratend zur Seite. Bei ernsteren Konflikten innerhalb des Bibliothekswesens muss er sogar einbezogen werden. Bei Fehlverhalten kann er dann dem Vorstand des Bibliotheksverbands Sanktionen vorschlagen, die bis zum Ausschluss aus dem Verband gehen. Außerdem hat der Ethikbeauftragte darauf zu achten, dass die Geldströme im Bibliotheksverband so transparent wie möglich sind und alles vermieden wird, was den Eindruck von Korruption erwecken könnte. Upmeier erinnert daran, dass in den deutschen Bibliotheken jedes Jahr fast zwei Milliarden Euro ausgegeben werden: „Die Bürgerinnen und Bürger, denen die Bibliotheken über ihre Steuerzahlungen ja sozusagen gehören, haben ein Recht darauf zu wissen, dass mit dem anvertrauten Geld sorgsam umgegangen wird“.

In Bibliothekskreisen ist Dr. Arne Upmeier bisher vor allem als Bibliotheksjurist bekannt. Er vertritt die Bibliotheken im Deutschen Literaturrat und gehört der Arbeitsgruppe Urheberrecht im Deutschen Kulturrat an. Auf Seiten der Kultusministerkonferenz verhandelt er mit den Verwertungsgesellschaften über die angemessenen Vergütungen für die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken. Für die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist er Mitglied der Arbeitsgruppe „Recht für Wissenschaft im digitalen Zeitalter“ der Allianz der Wissenschaftsorganisationen.