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Forschungsprojekt „StadtLärm“: Halbjähriger Feldtest startet jetzt in Jena

Zwei Forschungsinstitute und Unternehmen aus Ilmenau haben ein intelligentes System zur systematischen Lärmpegelmessung entwickelt.

Am 26. Juni 2018 startete in Jena eine Testphase, bei der für sechs Monate die Lärmbelastung in der Innenstadt gemessen, analysiert und ausgewertet wird. Ziel des wissenschaftlichen Projekts, an dem mehrere Thüringer Forschungs- und Entwicklungspartner beteiligt sind, ist die Prognose von subjektivem Lärmempfinden im städtischen Umfeld. Im Rahmen des Forschungsprojekts haben die zwei Ilmenauer Forschungsinstitute IMMS Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme gemeinnützige GmbH und Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Kooperation mit der Stadtverwaltung Jena sowie den Thüringer Unternehmen Bischoff-Elektronik GmbH, Software-Service John GmbH Ilmenau und Innoman GmbH Ilmenau ein intelligentes System zur systematischen Lärmpegelmessung entwickelt.

Störwirkung von Lärmquellen deutlich besser beurteilen

Am Beispiel von Jena werden innerstädtische Lärmquellen analysiert, bewertet und die Ergebnisse in Form eines visuellen Lärm-Raum-Modells veranschaulicht. Dieses Modell kann städtische Behörden unterstützen, die Störwirkung von Lärmquellen deutlich besser beurteilen zu können. Damit stehen weitere Erkenntnisse für zukünftige Veranstaltungen oder auch für stadtplanerische Aktivitäten wie Umleitungen oder Baumaßnahmen zur Verfügung. Jetzt beginnt die praktische Phase, in der an „Lärmpunkten“ in Jena akustische Daten gewonnen werden. Dafür werden 15 Lärmsensoren innerhalb und außerhalb der großen Parkanlage „Volkspark Oberaue“ installiert.

Das Gebiet ist umgeben von zwei Hauptstraßen sowie mehreren Straßenbahn- und Bahngleisen. Außerdem sind im Messbereich verschiedene Restaurants angesiedelt und es finden regelmäßig Musikveranstaltungen und Sportevents statt. Beschwerden über Lärmbelästigungen in diesem Umfeld wurden bisher stichprobenhaft mit einer manuellen Geräuschpegelmessung durch die Stadtverwaltung überprüft. Abgesehen davon, dass diese Vorgehensweise zeitaufwändig ist, sind damit auch keine systematischen Lärmkontrollen möglich und es lassen sich keine Modelle und Vorhersagen zu zukünftig geplanten Veranstaltungen ableiten.

Lärmverursacher können automatisch erkannt werden

„Unser akustisches Sensornetzwerk könnte hier Abhilfe schaffen“, so Professor Thomas Sporer, Projektleiter am Fraunhofer IDMT: „Neben den gemessenen Lärmpegeln können nun auch die verantwortlichen Lärmverursacher wie beispielsweise Zug, Baustellen, Autos oder öffentliche Konzerte automatisch erkannt werden. Dafür erarbeiten wir ein visuelles Modell, das die Lärmbelastung über die Stadt verteilt abbilden soll.“ Die Lärmbelastung in Städten hat ganz verschiedene Ursachen. Ob Open-Air Konzerte, Stadtfeste und Sportveranstaltungen, Biergärten, Baustellen oder Verkehrslärm – die Erfassung und Überwachung von Stadtlärm sowie die gegebenenfalls erforderliche Ableitung geeigneter Schallschutzmaßnahmen wird immer wichtiger, um der zunehmenden Lärmbelastung zu begegnen – nicht nur in Jena. Nur so lassen sich beispielsweise öffentliche Veranstaltungen gezielt und wirksam hinsichtlich des Lärmschutzes regulieren. Cornelia  Bührer vom Dezernat Stadtentwicklung und Umweltschutz der Stadt Jena erklärt dazu: „Viele Bürgerinnen und Bürger beschweren sich über hohe Lärmpegel in städtischen Wohngebieten. Das muss ernst genommen werden, denn städtischer Lärm ist mittlerweile für verschiedene gesundheitliche Beeinträchtigungen verantwortlich.“