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Ein Thüringer Innovationszentrum Medizintechnik entsteht in Jena und Ilmenau

In Thüringen entsteht ein Innovationszentrum für Medizintechnik. Dazu übergab Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee drei Förderbescheide über 9,5 Millionen Euro.

Prof. Peter Scharff (Rektor TU Ilmenau) (v.l.), Prof. Sascha Klee (TU Ilmenau), Prof. Ralf Mrwowka (ThIMEDOP), Prof. Andreas Hochhaus (UKJ), Minister Wolfgang Tiefensee, Prof. Ute Neugebauer (Leibniz-IPHT), .Dr. Jens Maschmann (UKJ). Foto: TMWWDG

Die Fördermittel gehen an die drei beteiligten Forschungseinrichtungen – das Universitätsklinikum Jena (5,3 Millionen Euro), die Technische Universität Ilmenau (2,9 Millionen Euro) und das Leibniz-Institut für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) (1,3 Millionen Euro). Die Mittel dienen insbesondere zur Anschaffung von Forschungsgroßgeräten und zur Deckung von Personalkosten. Alle drei Einrichtungen werden gemeinsam Träger des Innovationszentrums sein.

Diagnose, Therapie und Optimierung durch optische Lösungen

Das neue „Thüringer Innovationszentrum für Medizintechnik-Lösungen (Diagnose, Therapie, Optimierung durch optische Lösungen)“ – kurz: ThIMEDOP – wird sich vor allem der Stammzell- und Altersforschung sowie der Onko­logie widmen und Forschungsprojekte im Bereich der Biomedizintechnik und Mikroskopie durchführen. Zudem sollen neue optische, spektroskopische und biotechnologische Nachweisverfahren entwickelt, die Dauer zur zur Entwick­lung zertifizierter Medizinprodukte verkürzt und generell der Transfer von Forschungsergebnissen in wirtschaftlich verwertbare Verfahren und Produkte beschleunigt werden.

Tiefensee sagte dazu: „Medizintechnik ist eine Kernkompetenz des Forschungs- und Wirtschaftsstandorts Thüringen. Das neue Innovationszentrum soll deshalb zusätzliche Impulse für diesen wichtigen Bereich geben, die vorhandenen Kompetenzen stärker bündeln und für kurze Wege von der Forschung bis zur Anwendung sorgen.“ Thüringen sei der größte Medizintechnik-Standort in den neuen Bundesländern, etwa 40 Prozent der Beschäftigten und 60 Prozent des Umsatzes der ostdeutschen Medizintechnikbranche entfallen auf den Freistaat.

Anschaffung von Forschungsgroßgeräten und ?infrastruktur

Die Förderung für das Innovationszentrum ThIMEDOP fließt zum überwiegenden Teil in die Anschaffung von Forschungsgroßgeräten und ?infrastruktur. Das Zentrum soll künftig im Forschungsgebäude CetraMed beheimatet sein, das ab kommendem Jahr auf dem Gelände des Universitätsklinikums errichtet wird. „Im ThIMEDOP können sich Ärzte, Ingenieure und Grundlagenwissenschaftler weiter vernetzen, um mit Hilfe optischer Technologien aus der klinischen Praxis kommende Probleme und Fragestellungen zu bearbeiten und entsprechende Lösungen und Anwendungen für die klinische Praxis zu entwickeln“, betonte der Prodekan für Forschung der Medizinischen Fakultät, Professor Andreas Hochhaus.

Professor Ralf Mrowka, ThIMEDOP-Sprecher und Leiter einer Arbeitsgruppe am UKJ, die im ThIMEDOP mitarbeiten wird: „Wir beginnen jetzt mit der organisatorischen Vernetzung und der Ausschreibung der Geräte. Das Innovationszentrum wird Projekte entlang der gesamten Innovationskette von der wissenschaftlichen Idee bis zur frühen Produktentwicklung im Bereich der Diagnostik und Therapie zusammenführen und ihnen eine gemeinsame Infrastruktur zur Verfügung stellen. Die wissenschaftliche Arbeit in unserem gemeinsamen Forschungsfeld wird weit vor dem Einzug in den CetraMed-Neubau starten.“

Medizintechnik-Branche in Thüringen starker Wirtschaftsfaktor

Laut Landesamt für Statistik umfasst die Medizintechnik-Branche in Thüringen insgesamt 56 Betriebe (ab 20 Mitarbeitern) mit 4.650 Beschäftigten, die einen Umsatz von mehr als 800 Millionen Euro erwirtschaften. Die Exportquote liegt mit fast 60 Prozent deutlich über dem Thüringer Durchschnitt. Die Unternehmensdatenbank der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) führt insgesamt sogar 448 Unternehmen mit Medizintechnik-Bezug auf, die insgesamt 18.700 Mitarbeiter beschäftigen. Die Stärken der Thüringer Unternehmen liegen in Produkten der Augenheilkunde, OP-Systemen, Rollstühlen/ Prothesensystemen, Orthesen/therapeutische Hilfsmitteln, Analyse-, Bio- und Labortechnik sowie  Geräte der Funktionsdiagnostik und bildgebenden Verfahren.

Als Teil des Bereiches „Gesundes Leben und Gesundheitswirtschaft“ ist die Medizintechnik ein Schwerpunkt der Thüringer Forschungs- und Innovation­strategie RIS3. Der Großteil der Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Bereich der Medizintechnik sitzt in Jena. Das ThIMEDOP ist nach ThIMo, CEEC, InQuoSens, ThZM das fünfte von insgesamt sechs Innovationszentren, die das Land fördert und deren Einrichtung vom Wissenschaftsrat befürwortet worden war.