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Gegenseitiges Vertrauen schaffen zur erfolgreichen Umsetzung innovativer Projekte

Die gemeinsame Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ der IHK Südthüringen und der TU Ilmenau ist ein bewährtes Format im Technologietransfer.

Die Akteure der Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ im Meitnerbau der TU Ilmenau. Foto: wr

Im Meitnerbau der TU Ilmenau trafen sich gestern, 4. Dezember 2018, Wissenschaftler mit Vertretern von Unternehmen aus der Region in der gemeinsamen Veranstaltung „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ der Industrie- und Handelskammer Südthüringen und der Technischen Universität Ilmenau. Die Überführung neuester Technologien aus der universitären Forschung in die Unternehmen und deren Umsetzung in marktfähige Produkte ist gewissermaßen das Generalthema dieses Formats. In diesem Jahr standen die Kooperationsangebote der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik im Mittelpunkt. Der herausragende Aspekt war dabei die Digitalisierung, die inzwischen bereits weit in die Wirtschaft eingedrungen ist. Prof. Kai-Uwe Sattler, Prorektor für Wissenschaft an der TU Ilmenau, wies auf die gute Tradition der Industriekooperation in seiner Universität hin und rief die Unternehmensvertreter dazu auf, von diesen Angeboten Gebrauch zu machen.

Fast jeden Tag neue Forschungsergebnisse

Der Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Prof. Peter Schaaf, hob die große Bedeutung der persönlichen Begegnung im Rahmen von Veranstaltungen wie „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ auch zu Zeiten der Digitalisierung und der intensiven Nutzung moderner Kommunikationstechnologien hervor: „Es ist wichtig, sich gegenseitig kennenzulernen und dabei Vertrauen aufzubauen. Ohne ein gutes Vertrauensverhältnis ist erfolgreiche Kooperation nicht möglich. Wie sonst könnten Unternehmen uns Wissenschaftlern Einblick in ihre Probleme geben und wie sonst könnten wir Unternehmen unsere neuesten Technologien anvertrauen.“ Schaaf lud die Gäste aber auch dazu ein, außerhalb dieser Veranstaltung den Weg zur TU Ilmenau zu suchen. Dies unterstrich auch Tilo Werner, Abteilungsleiter Innovation und Umwelt der IHK Südthüringen: „Die TU Ilmenau kann fast jeden Tag neue Forschungsergebnisse vermelden. Die wollen alle in die Praxis.“

Unter der Überschrift „Elektrotechnik und Informationstechnik 4.0“ präsentierten Mitarbeiter der Fakultät ausgewählte Forschungsthemen. Prof. Schaaf bemerkte dazu, dass er sich eigentlich gewünscht hatte, anstatt der 4.0 eine 6.0 in die Haedline zu setzen. Beim Mobilfunk hätten die Informationstechniker seiner Fakultät die Arbeiten am 5G-Standard abgeschlossen und sich inzwischen 6G zugewandt. Das zeige die Vorreiterrolle der TU Ilmenau auf diesem so bedeutsamen Gebiet der Digitalisierung. Ein Blick auf die Statuszeile des Smartphones zeigte dann allerdings wie weit die Welt der Forschung von der realen Welt der Digitalisierung entfernt ist. Im Meitnerbau war von einem bedeutenden Mobilfunkanbieter lediglich das EDGE-Netz verfügbar, also drei Generationen im Verzug.

Augmented Reality für industrielle Anwendungen

In der Moderation von Prof. Hannes Töpfer wurden schließlich die ausgewählten Themen vorgestellt. Am Anfang stand das Thema „Augmented Reality für industrielle Anwendungen“. Regina Koreng gab in Vertretung von Prof. Heidi Krömker einen Überblick über diese Forschungen im Fachgebiet Medienproduktion. Augmented Reality, also erweiterte Realitätswahrnehmung, wird inzwischen von Konstrukteuren, Planern und Entwicklern angewendet, um sowohl den Entwurf als auch später die Fertigung oder die Funktionsprüfung zu erleichtern. Dabei werden einem realen Abbild zusätzliche und zum Teil sehr anschauliche Informationen computergestützt zugefügt, zum Beispiel über eine technische Konstruktion. Der Konstrukteur kann dabei die Funktion überprüfen und selbst Einfluss nehmen, wenn sich Fehler zeigen. Augmented Reality findet Anwendung in Konstruktion und Produktplanung, in der Logistik, im Marketing und Qualitätsmanagement.

Prof Dirk Westermann, Leiter des Instituts für Elektrische Energie- und Steuerungstechnik, sprach über zukünftige Energiesysteme. Mit dem Wandel der Energierzeugungslandschaft werde es künftig völlig andere Anforderungen an die Netzinfrastruktur und die Leittechnik geben. Westermann: „Ich kann zwar nicht so genau sagen, wie die Energiesysteme der Zukunft aussehen werden, doch es wird 2050 nichts mehr so sein wie heute.“ Neue Kraftwerkstypen werde es geben, die Automatisierung werde in Verbindung mit der Digitalisierung voll Einzug halten und die Netzleittechnik wird von der Arbeit im Sekundenbereich zum Millisekundenbereich übergehen. Mittelfristig werde eine Gleichstrominfrastruktur für den Langstreckentransport die heute auf Drehstrom basierenden Netze ablösen. Parallele Netze für alternative Energieträger, zum Beispiel für Erdgas, Methan oder Wasserstoff seien zu erwarten. Dies sei ein weites Feld, auf dem auch Unternehmen viele Anknüpfungspunkte finden.

Viele Anknüpfungspunkte für technologieorientierte Unternehmen

Weitere Vorträge folgten. Prof Andreas Möckel, Leiter des Fachgebiets Kleinmaschinen, stellte Potenziale von anwendungsorientiert optimierten elektrischen Maschinen vor. Beim Thema „Elektrochemie für Energiespeicherung und innovative Oberflächen“ konnte Prof. Andreas Bund, Leiter des Fachgebiets Elektrochemie und Galvanotechnik, eine Reihe interessanter Forschungsgegenstände aufzeigen, die in der Wirtschaft gefragt sind. Die Signalverarbeitung für zerstörungsfreie Prüfsysteme im Zeichen des digitalen Wandels legte Prof. Giovanni Del Galdo, Leiter des Fachgebiets Elektronische Messtechnik und Signalverarbeitung dar. Das Lorentzkraft-Wirbelstromverfahren für die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung nichtferromagnetischer leitfähiger Materialien beleuchtete schließlich Prof. Hannes Töpfer.

An Ende des Vortragsblocks erläuterte Dr. Dörte Gerhardt, Leiterin des Referats für Forschungsservice und Technologietransfer, die Rahmenbedingungen für gemeinsame Projekte mit Unternehmen. Danach bestand in einer Pause die Möglichkeit, persönliche Kontakte zu knüpfen. Ausgewählte Labore standen dann für eine Besichtigung offen.