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Der Ilm-Kreis ist einer der Wachstumsmotoren im IHK-Bezirk und in ganz Thüringen

Die IHK Südthüringen präsentierte gestern in ihrer Arnstädter Niederlassung die jüngste Standortanalyse für den Ilm-Kreis.

 

Präsentation der Standortanalyse für den Ilm-Kreis: (v.l.) IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Pieterwas, Landrätin Petra Enders, Olaf Mollenhauer, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses, Dr. Jan Pieter Schulz, Projektleiter der Standortanalyse. Foto: wr

In ihre Arnstädter Niederlassung hatte die IHK Südthüringen eingeladen, um die Standortanalyse für den Ilm-Kreis vorzustellen. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Pieterwas, Niederlassungsleiterin Carmen Klotz und Dr. Jan Pieter Schulz, Referent für Volkswirtschaft der IHK Südthüringen und Projektleiter der Standortanalyse, sowie der Vorsitzende des Regionalausschusses der IHK im Ilm-Kreis, Olaf Mollenhauer von der Ilmenauer Kompass GmbH, vertraten die Kammer. Für den Ilm-Kreis nahmen Landrätin Petra Enders und Dr. Thomas Scheller, Sachgebietsleiter Wirtschaft und Infrastruktur im Landratsamt, an der Veranstaltung teil. Ralf Pieterwas hob eingangs die enorme Entwicklung hervor, die der Ilm-Kreis vor allen anderen Kreisen im Kammerbezirk durchlebt hat: „Vor 20 Jahren war der Ilm-Kreis noch eine eher schwierige Region. Heute ist er der dynamischste Kreis und Wachstumsmotor im IHK-Bezirk und in ganz Thüringen.“

Erfolg des Ilm-Kreises ist kein Selbstläufer

Die Landrätin betonte, dass diese Entwicklung kein Selbstläufer war und in Zukunft auch nicht sein wird: „Wir müssen ständig daran arbeiten, unsere Standortbedingungen zu verbessern und die Verkehrsinfrastruktur weiter zu entwickeln. Zunehmend werden weiche Standortfaktoren zu bedeutenden Kriterien bei Unternehmensansiedlungen und bei der Fachkräftegewinnung. Dem müssen wir uns laufend stellen.“ Sie wies auch darauf hin, dass die sehr gute Zusammenarbeit mit der LEG Thüringen bei Ansiedlungsprojekten, mit der Initiative Erfurter Kreuz und ihrer Mitglieder, der Wirtschaftsförderung sowie der Städte, Gemeinden zu diesem Erfolg beigetragen haben. Als dringende Zukunftsaufgaben nannte sie den Breitbandausbau und die Gewinnung von Fachkräften. Auf diesen Gebieten habe die Standortanalyse noch Defizite offenbart.

Jan Pieter Schulz erläuterte, dass bei der Standortanalyse etwa 5000 Unternehmen im Kammerbezirk einbezogen waren, darunter 1330 aus dem Ilm-Kreis. Der Basiszeitraum zur Ermittlung und zum Vergleich des Bruttoinlandsproduktes (BIP) reichte wegen der Verfügbarkeit von Daten von 2000 bis 2016. Für die Unternehmen im Ilm-Kreis ergab sich dabei ein Wachstum des BIP in diesem Zeitraum um etwa 91 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Kammerbezirk wuchs das BIP in diesem Zeitraum um 58 Prozent, in Thüringen insgesamt um 51 Prozent. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in der Erwerbstätigkeit wider. Diese stieg im Ilm-Kreis von 2000 bis 2016 um fünf Prozent, während sie im IHK-Bezirk Südthüringen um vier Prozent und in Thüringen um drei Prozent sank. Die Arbeitsproduktivität, die sich aus dem Verhältnis der Zahl der Erwerbstätigen und der Bruttowertschöpfung ergibt lag im Ilm-Kreis 2016 bei 56.290 Euro in Südthüringen bei 51.702 Euro und in Thüringen bei 51.619 Euro.

Breitbandanbindung hat für Unternehmen höchste Priorität

Die Standortanalyse hat zugleich ergeben, dass 19 Prozent der ansässigen Unternehmen in der Region weiter expandieren wollen. 90 Prozent der Firmen sehen dabei keine Probleme Erweiterungen zu finanzieren. Bei Befragungen per Fragebogen offenbarte sich auch eine hohe Standortzufriedenheit. Im Ilm-Kreis zeigten sich zehn Prozent der Unternehmen sehr zufrieden mit dem Standort, immerhin 79 Prozent gaben an, zufrieden zu sein. Bei der Bewertung der Standortvor- und Nachteile wurde indes auch deutlich, wo Handlungsbedarf besteht. Bei der Beurteilung der Standortfaktoren nach ihrer Wichtigkeit nannten die Unternehmen die Breitbandanbindung und -verfügbarkeit an erster Stelle. Gemeinsam mit Gewerbesteuer sowie mit den Energiepreisen wurde hierbei die größte Unzufriedenheit offensichtlich. Eher unzufrieden gaben sich die Unternehmen auch bei der Verfügbarkeit von Fachkräften, bei Grundsteuern sowie bei Gebühren und Abgaben etwa für Wasser und Abwasser oder der Abfallentsorgung.

Besonders auf die Bedeutung des Breitbandausbaus wies auch Olaf Mollenhauer hin. In der Wirtschaft des Ilm-Kreises werde der gegenwärtige Stand des Breitbandausbaus als größter Bremsfaktor und Risiko für die Zukunft eingeschätzt: „Es gibt Unternehmen im Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau, die sich dort gern ausgründen möchten. An dem Standort, auf dem sie sich etablieren wollen gibt es aber kein Breitbandnetz! Wo sollen sie also hin?“ Er forderte, Internet- und Breitband in die Grundversorgung aufzunehmen, sodass der Staat diese Aufgabe insgesamt in die Hände nimmt. Petra Enders unterstrich, dass der Ilm-Kreis momentan große Anstrengungen unternimmt, um dieses Problem zu lösen.  Sie wies allerdings auch darauf hin, dass der Staat eine Grundversorgung auf diesem Gebiet nicht übernehmen kann, weil dafür erst gesetzliche Voraussetzungen zu schaffen seien: „Der Landkreis kann dort einspringen, wo ein wirtschaftlicher Ausbau der Breitbandanbindungen nicht durch die Telekommunikationsunternehmen anvisiert wird.“