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Im Ilm-Kreis sollen alle Menschen gerechten Zugang zu allen Möglichkeiten haben

Wie soll der Ilm-Kreis in gut 30 Jahren aussehen? Mit dieser Frage begann am 4. April das Regionalforum „Integration und Teilhabe aller – in Thüringer Kommunen“.

Isabelle Pleissner (v.l.) interviewte Landrätin Petra Enders Uta_Kolano, Nachhaltigkeitszentrum, Ilmenaus Bürgermeisterin Beate Misch und Rea Mauersberger, Verein Iberoamérica. Foto: Doreen Huth/ LRA Ilm-Kreis

Das Regionalforum „Integration und Teilhabe aller – in Thüringer Kommunen“ des Nachhaltigkeitszentrums Zukunftsfähiges Thüringen hat im Ilmenauer Schülerfreizeitzentrum am 4. April mit Utopien begonnen. Landrätin Petra Enders, Ilmenaus Bürgermeisterin Beate Misch, Uta Kolano vom Nachhaltigkeitszentrum und Fachpromotorin Rea Mauersberger vom Verein Iberoamérica konnten ihre Vorstellungen eines Ilm-Kreises 2050 zu Anfang des Forums vorstellen. Landrätin Petra Enders betonte, in einem Kreis leben zu wollen, in dem die Menschen sich tolerant begegnen und die Grundlagen der Demokratie wertgeschätzt werden. „Alle haben Zugang zu allem“, sagte sie und meinte vor allem die Teilhabe an Bildung, Beteiligung, soziale Angebote, Kultur und Politik. „Das geht nur, wenn die Aufgaben der öffentlichen Daseinsfürsorge auch in öffentlicher Hand liegen und bleiben“, warb sie für einen kommunalisierten Personennahverkehr. Ist dieser von Bürgerinnen und Bürgern getragen, ist auch eine Mobilität für alle möglich. Sei es über ein Sozialticket oder alternative Angebote wie Mitfahrbänke, die in der KOMET-Region schon jetzt in einem Modellprojekt erprobt werden.

Plädoyer der Landrätin für eine gute Bildung

Neben dem ÖPNV sprach Petra Enders auch den freien und gerechten Zugang zu Bildung an, als es darum ging, die Arbeitsfelder der Landkreise, Gemeinden und Städte zu benennen, um allen Menschen Teilhabe zu ermöglichen. „Bildung ist das beste Mittel, um Armut zu bekämpfen. Gute Bildung schafft Aussichten. Deswegen bleibe ich dabei, auch im ländlichen Raum Schulen zu halten. Sie sind mehr als Bildungseinrichtungen. Sie sind soziale Zentren. Wir machen uns als Kreis für ein ausgewogenes Schulnetz stark. Über die Musikschule und die Volkshochschule mit ihren Außenstellen im ländlichen Gebiet kann der Kreis günstige und flächendeckende Möglichkeiten schaffen für ein lebenslanges Lernen.“ Teilhabe geht aber nur über Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie. Bestes Beispiel ist für Landrätin Petra Enders die kommunalisierte Müllentsorgung. „Wir haben in der IUWD zufriedene und gut bezahlte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir bieten stabile Gebühren über ein starkes Unternehmen.“ 

Wo Bürgerinnen und Bürger das Nachsehen haben und eben nicht teilhaben an Prozessen der eigentlich öffentlichen Daseinsfürsorge, da entstehen Probleme und Benachteiligungen. So etwa beim Breitbandausbau. Der ist dem freien Markt überlassen und so erhalten die einwohnerstarken, profitablen Gegenden zunächst die Anbindung ans schnelle Internet. Weite Flächen und selbst gut florierende Industriegebiete haben das Nachsehen. Für den Ilm-Kreis als wirtschaftlich stärkster Landkreis Thüringens eine große Herausforderung.

Beate Misch, Uta Kolano und Rea Mauersberger entwarfen weitere, wichtige Ideen für eine zukünftige Gesellschaft und einen funktionierenden Ilm-Kreis. Ob ein bedingungsloses Grundeinkommen, die Integration auf dem Arbeitsmarkt, die Überzeugung, Menschen so anzunehmen, wie sie sind, unabhängig von Herkunft, Aussehen, Religion oder Einstellung, der Frage, was jeder Gutes beitragen kann, oder globaler Aspekte der Migration als Bewegung und Austausch; alle vorgestellten Gedanken wurden in den Workshops aufgenommen und weitergetragen.

Aus dem Sozialatlas Handlungsstrategien ableiten 

Für weiteres Gedanken-Futter in den Workshops sorgten auch Vorträge. So stellte der Sozialplaner des Ilm-Kreises, Philipp Hoppe, anschaulich seine Arbeit und ihren Mehrwert vor. Mit seinen statistischen Erfassungen, Auswertungen und Bedarfserhebungen entsteht zum Beispiel der Sozialatlas. Wer wissen will, wie der Ilm-Kreis aufgestellt ist, sollte einen Blick hineinwerfen. Aufschlussreich zeigt er die Bedürfnisse, Handlungsfelder und Strukturen einzelner Regionen in Sozialprofilen auf. Aus dem Sozialatlas leiten sich viele Handlungsstrategien des Ilm-Kreises ab. Etwa die Armutspräventionsstrategie oder das Integrationskonzept. Politik, Jugendhilfe, Gesundheit, Städtebauplanung, Sozialhilfe, Arbeitsmarkt oder Wirtschaftsförderung finden in der Arbeit des Sozialplaners für interdisziplinäre Ansätze, die auf Fakten beruhen und so manches Bauchgefühl hinterfragen. Philipp Hoppe warb für Offenheit und Toleranz gegenüber den Zahlen und Fakten, die die eindeutige Situation des Kreises erfassen. Er ermutigte, den Sozialatlas zu nutzen, auch wenn Sozialplanung stets ein langwieriger Prozess sei, der auf die Zusammenarbeit aller fuße und sich immer wieder hinterfragen muss.

Näher ging Philipp Hoppe zusammen mit Integrationsmanagerin Daniela Mückenheim auf die Sozialplanung in einem Workshop ein. Wie Jugendliche sich auf kommunaler Ebene einbringen können, vermittelte Katja Nonn vom Verein „Arbeit und Leben Thüringen“ in einem Workshop. Sie betreut auch den Kinder- und Jugendbeirat des Ilm-Kreises zusammen mit Ansprechpartnern im Jugendamt. Mit den vielen, in den Workshops entworfenen Ideen und Ansätzen blieb am Ende natürlich eine Frage. Wie soll man das alles bezahlen? Und so gab der Vortrag „Finanzierungsmöglichkeiten für Kommunen“ ein passendes Schlusswort.