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Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT wird eigenes Fraunhofer-Institut

Innerhalb von fünf Jahren soll der Institutsteil Oldenburg des Ilmenauer Fraunhofer IDMT in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut überführt werden.

Unterzeichnung des Memorandum of Understanding durch Björn Thümler (vorn l.), Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, und Prof. Reimund Neugebauer (vorn r.), Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Foto: Fraunhofer Gesellschaft

Auf der Hannover Messe haben der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, Prof. Reimund Neugebauer, und der  Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler, ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, wonach der Institutsteil Oldenburg des Ilmenauer Fraunhofer IDMT innerhalb von fünf Jahren in ein eigenständiges Fraunhofer-Institut überführt werden soll. Die gemeinsame Ausbauplanung sieht unter anderem den Einsatz von Landemitteln Niedersachsens in Höhe von 15 Millionen Euro in den fünf Jahren der Entwicklung zum Fraunhofer-Institut vor. Durch die voraussichtliche Institutsgröße von 130 Mitarbeitern wird ein eigenes Institutsgebäude für das Fraunhofer HSN erforderlich. Dafür ist in dem Konzeptpapier eine Finanzierung vorgesehen, die zu gleichen Teilen vom Land Niedersachsen und der Fraunhofer-Gesellschaft getragen wird. Eine erste Abschätzung der Kosten für den Neubau geht von einer Gesamtsumme von etwa 40 Millionen Euro aus.

Projektgruppe 2008 ins Leben gerufen

2008 wurde die Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie HSA des Ilmenauer Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT mit Sitz in Oldenburg ins Leben gerufen. Ziel der mittlerweile zum Institutsteil gewordenen Projektgruppe war es zunächst, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Hörwahrnehmung des normalen und des beeinträchtigten Gehörs in technologische Anwendungen umzusetzen. Inzwischen gehen die Lösungen der Projektgruppe jedoch weit über die ursprünglich gesteckten Forschungsziele hinaus und kommen auch in den Bereichen Gesundheit, Verkehr, Automotive, Produktion, Consumer Electronics, Sicherheit sowie Telekommunikation zum Einsatz.

Dr. Jens-E. Appell, Abteilungsleiter des Institutsteils HSA, führt aus: „In den vergangenen zehn Jahren ist es uns gelungen, die Ergebnisse aus der Hörforschung in viele Bereiche der Wirtschaft sowie Gesellschaft zu tragen und dort wichtige Beiträge zu leisten. Dazu gehört unter anderem eine robuste Spracherkennung zur berührungslosen Steuerung industrieller Maschinen, die akustische Erkennung von Hilferufen, die Detektion sich nähernder Einsatzfahrzeuge oder auch die verbesserte Kommunikation durch persönliche Hörsysteme. Diese Ansätze wollen wir mit einer strategische Weiterentwicklung in Richtung eines Instituts für Hör-, Sprach und Neurotechnologie am Standort Oldenburg weiter verfolgen und voranbringen.“

Teilnahme in Exzellenzcluster „Hearing4all“

Prof. Dr. Dr. Birger Kollmeier, Leiter des Institutsteils HSA, spricht den vorhandenen Netzwerken und dem Standort in Oldenburg umfangreiche Mehrwerte zu: „Unsere erneute Teilnahme innerhalb des Exzellenzclusters ‚Hearing4all‘ werden wir für gewinnbringende und möglichst weitreichende Kooperationsansätze nutzen. Zudem schafft die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit von HSA mit der Carl von Ossietzky Universität, der Jade Hochschule sowie weiteren Einrichtungen der Oldenburger Hörforschung optimale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Ausbau unserer Forschung.“ Darüber hinaus kann auch die European Medical School (EMS) als Teil der hervorragenden Rahmenbedingungen des Forschungsstandorts Oldenburg benannt werden.

Aufbauend auf den bisherigen Arbeiten sollen im neuen Fraunhofer-Institut HSN die Bereiche „Connected Health“, „Neurotechnologie“, „The Hearing Car“, „HSN4Production“, sowie „Voice Enabled Devices“ ergänzt und zu einem Portfolio mit Alleinstellungsmerkmalen ausgebaut werden.Björn Thümler, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, erklärt: „Oldenburg ist in der Hörforschung ein international sichtbarer Leuchtturm. Das wurde mit dem Erfolg des Exzellenzcluster-Antrags ‚Hearing4all‘ bei der Exzellenzstrategie vor einem halben Jahr erneut unter Beweis gestellt.“ Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erklärte: „Das neue Institut soll unsere bestehenden Kompetenzen ergänzen und unsere Forschung in strategisch wichtigen Bereichen wie Industrie 4.0, dem Automotive-Sektor, der Medizinforschung oder der Telekommunikation stärken und weiter vorantreiben.“