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Beim Besuch Ideen für die Zukunft der Martinrodaer Porzellanmanufaktur entwickelt

Als Liebhaberin des „Weißen Goldes“ besichtigte Landrätin Petra Enders ganz begeistert am 4. Juni 2019 die kleinste Porzellanmanufaktur Thüringens.

Landrätin Petra Enders mit Firmenchef Hans Holland-Moritz in Ausstellungsraum der Porzellanmanufaktur Martinroda. Foto: wr

Fast schon am Ortsausgang in Richtung Plaue liegt die alte Porzellanfabrik Martinrodas, den meisten Vorbeifahrenden eher als Möbelmarkt bekannt. Auch wenn die Zeiten des Werkes mit einer Belegschaft von mehr als 140 Mitarbeitern lange vorüber sind, blieb die Herstellung von Porzellan in diesem Gebäude bis heute erhalten. Zu danken ist dies dem Ehepaar Sabine und Hans Holland-Moritz. Sie gehören einer Erbengemeinschaft an, die nach der Reprivatisierung der Porzellanfabrik und der Rückübertragung an die Erben, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gründete, in der die heutige Porzellanmanufaktur betrieben wird. Allerdings erfolgt die Produktion nur noch in geringem Maß. Bis vor einiger Zeit hatte das Ehepaar die Porzellanmalerin Christine Förster als Mitarbeiterin, doch diese ging in den Ruhestand, sodass die beiden allein alle Arbeiten bestreiten müssen. Gelegentlich hilft Christine Förster aber noch aus.

Auf Handwerkermärkten in Österreich

Landrätin Petra Enders hatte sich als Liebhaberin von Porzellan schon lange einen Besuch in der Manufaktur gewünscht. Doch erwies es sich als nicht gerade einfach hierfür einen Termin zu finden, denn die Eigentümer müssen, um ihren Eigenvertrieb am Laufen zu halten, viel unterwegs sein. Vor allem Handwerkermärkte in Österreich und Süddeutschland sind ihr Ziel, denn dort, so Hans Holland-Moritz, sind die Produkte aus Martinroda sehr gefragt. So besichtigte die Landrätin die Räumlichkeiten und die zahllosen Ausstellungsstücke voll Begeisterung. Mit sachkundigem Blick erkannte sie in Formen und Dekoren Bezüge zur Großbreitenbacher Porzellanherstellung. Und tatsächlich, die Firmengründer Friedrich und Hermann Eger, stammten aus Großbreitenbach. Im Jahr 1900 gründeten sie das Unternehmen als Porzellanfabrik Martinroda Eger & Co. GmbH. Auch wenn viele alte Formen aus dieser Zeit durch Produktionsunterbrechungen im Zweiten Weltkrieg und die Enteignung zu DDR-Zeiten verloren gegangen sind, orientieren sich auch heute die Erzeugnisse an der alten Tradition. Unterschiedliche Zierporzellane, Dekorationsartikel, filigrane Vasen und Teller, aber auch Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch gehören zum Sortiment

Hans Holland-Moritz berichtete der Landrätin allerdings auch von seinen Sorgen zur Zukunft der Manufaktur. Nachfolger, die den Weiterbetrieb absichern könnten, gibt es nicht. Das Ehepaar ist längst in Rente, arbeitet aber weiter, so gut es geht. Der Firmenchef sagte, dass er am liebsten ein Museum daraus machen würde und die Tradition des Porzellans gern weitervermitteln möchte. Immerhin ist die Martinrodaer Manufaktur, der letzte Betrieb weit und breit, der Porzellan noch selbst herstellt. Aber für den Aufbau eines Museums benötige er Hilfe, betonte Holland-Moritz. Die Landrätin musste nicht lange überlegen, um hierfür Ideen einzubringen. Sie schlug die Umwandlung in einen Verein vor. Außerdem lud sie dazu ein, an der „Grünen Woche“ des nächsten Jahres teilzunehmen, zumal der Ilm-Kreis dann der Ausrichter für ganz Thüringen ist. Insgesamt könne die Manufaktur stärker in die touristischen Aktivitäten des Ilm-Kreises eingebunden werden.