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Konjunkturrisiken: Fachkräfteengpass, Arbeitskosten und politische Rahmenbedingungen

In der ersten Jahreshälfte 2019 hat sich die Stimmung der Wirtschaft im Ilm-Kreis etwas abgekühlt, stellte die Industrie- und Handelskammer Südthüringen fest.

Die aktuelle Geschäftslage wird im Ilm-Kreis trotz Konjunkturrisiken nach wie vor positiv bewertet. Foto: wr

Dem vorausgegangen war in 2018 eine stürmische Konjunkturentwicklung, die Überhitzungssymptome in sich trug. Äußere Effekte, vor allem die Handelssanktionen der Trump-Regierung und Anpassungen in der deutschen Automobilindustrie verlangsamen nun vorübergehend die Schlagzahl. Diese Ergebnisse liefert die Konjunkturumfrage Frühsommer 2019 der Industrie- und Handelskammer Südthüringen (IHK) für den Ilm-Kreis.

Gute Stimmung in Ilmenau, eher verhaltene Erwartungen in Arnstadt

Der Konjunkturklimaindikator, ein geometrisches Mittel aus den Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen, erreicht 114,1 Punkte, 6 Punkte weniger als zu Beginn des Jahres. Im Herbst letzten Jahres wurde mit 136,0 Punkten der höchste jemals gemessene Wert erreicht. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahren beträgt 112 Punkte. Besonders gut ist die Stimmung derzeit in Ilmenau mit 124,7 Indikator-Punkten. Verhaltener ist sie in Arnstadt mit 102,9 Punkten. Im IHK-Bezirk Südthüringen werden gegenwärtig 111,1 Punkte erreicht.

Die aktuelle Geschäftslage wird im Ilm-Kreis nach wie vor positiv bewertet. 41 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Lage als gut, 52 Prozent als saisonüblich beziehungsweise befriedigend. Hinsichtlich des Trends der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ist die Unternehmerschaft hingegen gespalten. 59 Prozent erwarten eine Entwicklung auf dem bestehenden Niveau, 19 Prozent bessere und 22 Prozent schlechtere Geschäfte.

Aktuelle Wirtschaftslage von starker Binnennachfrage getrieben

Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, erklärt dazu: „Die aktuelle Wirtschaftslage wird von einer starken Binnennachfrage getrieben. Die Verbraucher können in Folge starker Lohnsteigerungen mehr konsumieren. Viele Unternehmen lösen außerdem im Zuge von Investitionen eine hohe Baunachfrage aus. Auf der anderen Seite beeinträchtigt vor allem die erratische Handelspolitik der US-Regierung im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl in 2020 zunehmend Exporteure ebenso wie Zulieferer und ihre Dienstleister. Wir gehen davon aus, dass sich die inländischen Antriebsfaktoren konjunkturell durchsetzen.“

Konjunkturbedingt lässt die Investitionsneigung der Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr etwas nach. Statt wie zuletzt einem Unternehmensanteil von etwa 90 Prozent sinkt die Investitionsneigung nun auf 78 Prozent der Unternehmen. Hauptmotive für die Investitionsentscheidung sind Modernisierungsmaßnahmen in 62 Prozent der Unternehmen und kostensenkende Maßnahmen für 26 Prozent. Zugleich sind die Beschäftigungserwartungen der Unternehmen etwas zurückhaltender. Neun Prozent erwarten einen wachsenden Personalbestand, zwölf Prozent eine geringere Mitarbeiterzahl. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Die konjunkturelle Entwicklung bewegt sich an der Beschäftigungsschwelle, die demografische Entwicklung begrenzt das Ersatzpotential im Fall von altersbedingtem Ausscheiden. Naheliegend bewerten daher 71 Prozent der Unternehmen Fachkräfteengpässe als wichtigstes Konjunkturrisiko. Weitere wichtige Risiken sind die Arbeitskosten mit einem Anteil von 55 Prozent und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit einem Anteil von 51 Prozent.

Informationen zur Konjunkturumfrage

Basis der Angaben ist eine repräsentative Konjunkturumfrage der IHK Südthüringen, die im Mai 2019 durchgeführt wurde. Zur IHK Südthüringen mit 28.500 Mitgliedsunternehmen gehören auch zirka 7.800 Unternehmen aus dem Ilm-Kreis. Den branchenmäßig größten Anteil stellen die 3.300 Dienstleister mit 14.700 Beschäftigten, gefolgt von 1.800 Handelsunternehmen mit 4.300 Beschäftigten. Zur Industrie gehören im Ilm-Kreis 700 Unternehmen mit 13.400 Beschäftigten.