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Modernes Landwirtschaftsunternehmen durch diversifizierte Aufstellung krisenfest

Der jüngste Unternehmensbesuch von Landrätin Petra Enders am 30. Juli verlief nicht nach dem sonst üblichen Muster: Er führte hinaus in Feld und Flur.

Landrätin Petra Enders (r.) mit Mähdrescherfahrer Tom Kukuk nach einem Probedrusch von Winterweizen: „Es war eine sehr beeindruckende Fahrt.“ Foto: wr

Vorstandsvorsitzender Ralf Gumpert mit Landrätin Petra Enders in der Flur der Agrargenossenschaft Bösleben. Foto: wr

Die Agrargenossenschaft Bösleben e.G. bewirtschaftet eine Gesamtnutzfläche von etwa 5.000 Hektar, davon 4.500 Hektar Ackerland. Verschiedenste Getreidearten, Öl- und Hülsenfrüchte werden in einer klar strukturierten Fruchtfolge angebaut. Hinzu kommt eine vielfältige Tierproduktion mit Mutterkühen, Schafen, Schweinemast und Geflügel. Darüberhinaus ist die Genossenschaft mit einer Reihe von Tochterunternehmen, die über die landwirtschaftliche Produktion weit hinausreichen, breit aufgestellt. Diese reichen von der Energieerzeugung über Fleisch- und Wurstwaren bis zu einer Pension und Tankstelle. 170 Mitarbeiter sind hier tätig. Um Landrätin Petra Enders bei ihrem Besuch in dem Unternehmen einen möglichst umfassenden Eindruck zu vermitteln, entschied sich Ralf Gumpert, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft, ihr eine Tour durch Feld und Flur zu bieten.

Innovatives Unternehmertum in der Landwirtschaft

Diese nicht alltägliche Form des Unternehmensbesuchs war dem schönen Sommertag sehr angemessen. Darüber freute sich auch die Landrätin, die die Agrargenossenschaft Bösleben nicht zum ersten Mal besuchte, diese jedoch auf einer solchen Tour noch nicht kennengelernt hatte. Besonders beeindruckt zeigte sie sich zu der Diversität der Produktions- und Unternehmensbereiche, die der Genossenschaft eine gute Krisenresistenz verleiht: „Die Agrargenossenschaft Bösleben ist eine der größten in Thüringen mit einer sehr weiten und doch in sich geschlossenen Wertschöpfungskette.“ Sie lobte dies als innovatives Unternehmertum, das auch in verschiedene soziale Bereiche ausstrahle. So unterstütze die Genossenschaft unter anderem eine Reihe von Projekten in Schulen der Region.

Erste Station auf dieser Rundfahrt war ein großer Schlag unweit von Bösleben, auf dem die Ernte von Winterweizen anstand. Der Mähdrescher stand schon bereit, doch musste erst eine Probeernte gefahren werden, um den Feuchtigkeitsgehalt des Getreides zu ermitteln, der idealerweise nicht über 14,5 Prozent liegen soll. Die Landrätin hatte hier die Gelegenheit, den Führerstand zu erklimmen und gemeinsam mit Mähdrescherfahrer Tom Kuckuck die Erntetour mitzufahren. Danach sagte sie: „Das hat großen Spaß gemacht und war ein sehr beeindruckendes Erlebnis.“ Derweil wartete schon Tobias Meyer, Abteilungsleiter Pflanzenproduktion, um mit seinem Analysegerät die Feuchte des Getreides festzustellen. Dazu werden die Körner leicht gemahlen. Über die elektrische Leitfähigkeit weist das Gerät schließlich den Feuchtigkeitswert aus: 17 Prozent zeigte es an, nach leichten Regenschauern in der Nacht. Noch zu hoch für die Ernte. Wenigstens eine Stunde Wartezeit war angesagt.

Trockenheit macht den Landwirten schwer zu schaffen

Insgesamt macht die Trockenheit den Landwirten schwer zu schaffen, sagte Gumpert: „Auch wenn es jetzt wieder einmal leicht geregnet hat, reicht das für uns lange nicht aus. An die 185 Liter pro Quadratmeter Niederschlag hatten wir seit Anfang des Jahres, aber es wären hier etwa 500 Liter pro Quadratmeter normal.“ Entsprechend wirkt sich das auf die Ernte aus. Gumpert: „Wir werden mit unserer Erträgen zwischen fünf und zehn Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt liegen.“ Für die Agrargenossenschaft bedeutet das natürlich eine erhebliche Einbuße. Größere wirtschaftliche Probleme erwartet der Vorstandsvorsitzende aber dennoch nicht: „Jetzt zeigt sich der Vorteil unserer breiten Unternehmensaufstellung. 50 Prozent der Umsatzerlöse stemmen nicht mehr aus der landwirtschaftlichen Urproduktion. Das macht uns von Wetterkapriolen und Klimaveränderungen doch ein gutes Stück unabhängig.“

Dann ging die Tour weiter zu einer der Mutterkuhherden. Mehr als 140 Kühe stehen nahezu ganzjährige auf den Weiden der Genossenschaft. Die Kälber werden aufgezogen und dann zumeist an Mastbetriebe verkauft. Es wird ausschließlich Fleischproduktion betrieben, auch für die eigene Fleischverarbeitung. Diesem Zweck dient auch eine Schweinemast mit zirka 3.000 Mastplätzen, aber nicht nur. Die Schweine dienen nämlich auch der Produktion von Gülle, die sowohl für die Biogasanlage als auch zur Düngung benötigt wird. Die Energieerzeugung hat inzwischen einen umsatzmäßigen Umfang angenommen, der dem der Schweinefleischproduktion in nichts nachsteht. Zur Gülle, der mitunter umweltschädliche Wirkung nachgesagt wird, stellte der Vorstandsvorsitzende klar, dass dies in der Agrargenossenschaft Bösleben nicht zutreffe. Vielmehr reiche die eigene Gülle bei weitem nicht aus, alle Felder optimal mit Dünger zu versorgen. Der Eintrag in die Umwelt sei deshalb sehr gering.

Verlässliche Partnern sind wichtiger als der Höchstpreis

Eine weitere Station war das Getreidelager mit Mischfutterwerk. Dort wurden moderne Hochsilos errichtet, in denen 23.000 Tonnen Getreide gekühlt gelagert werden können. Die Kühlung sei wichtig, so Gumpert, um die Qualität der Güter zu gewährleisten, aber auch, um Selbstentzündungen zu verhindern. In diesem Unternehmensbereich wird die gesamte Ernte der Pflanzenproduktion gelagert. Es werden an die 3.500 Tonnen Mischfutter pro Jahr für die eigenen Tiere hergestellt. Auch Kleintierfutter wird erzeugt und über die eigene Tankstelle sowie über Einzelhändler vermarktet. Für die Vermarktung von Getreide im großen Stil ist die Lageranlage Voraussetzung. Dazu beobachtet Ralf Gumpert regelmäßig die internationalen Getreidebörsen und die Preisentwicklungen in den großen Getreideländern wie Australien, USA, Kanada, Russland und Ukraine: „Wir trachten nicht danach Höchstpreise zu erzielen, sondern mit verlässlichen Partnern zusammenzuarbeiten, damit wir am Ende auch unser Geld erhalten.“ Am Ende dieser beeindruckenden Tour ging es in die Kantine der Agrargenossenschaft, wo die Produkte des Unternehmens verkostet wurden.