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Naturwissenschaftliche Begabung und Begeisterung für Musik brachte den Erfolg

Anna Kruspe promovierte 2018 am Fraunhofer IDMT und der TU Ilmenau. Jetzt wurde sie mit dem ARD/ZDF Förderpreises „Frauen + Medientechnologie“ 2019 ausgezeichnet.

Die drei Preisträgerinnen 2019 (v.l.n.r): Stefanie Müller (1. Preis), Anna Kruspe (2. Preis), Magdalena Klingler (3. Preis). Foto: © ARD/ZDF Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ / Claudius Pflug

Anna Kruspe promovierte 2018 am Fraunhofer IDMT und der Technischen Universität Ilmenau zum Thema „Application of automatic speech recognition technologies to singing“. Am Freitag, dem 6. September 2019, wurde sie für ihre wissenschaftlichen Arbeit mit dem zweiten Preis ausgezeichnet, für den es ein Preisgeld von 3000 Euro gibt. Den ersten Preis, verbunden mit 5000 Euro Preisgeld, erhielt Stefanie Müller für die Dissertation „Systematisierung und Identifizierung von Störquellen und Störerscheinungen in zeithistorischen Videodokumenten am Beispiel digitalisierter Videobestände sächsischer Lokalfernsehsender“ an der Technischen Universität Chemnitz. Der dritte Preis und 2000 Euro Preisgeld gingen an Magdalena Klingler für die Masterarbeit „Analyse und Test alternativer Transportverfahren und neuer Protokolle für adaptives Streaming“ an der Technischen Hochschule Deggendorf.

Anna Kruspe entwickelte eine Erweiterung von Spracherkennungssoftware auf die Erkennung von Sprache innerhalb des Gesangs. Diese hat bislang große Schwierigkeiten bereitet, da sich viele phonetische Parameter grundlegend unterscheiden, wenn gesungen oder wenn gesprochen wird. Lange Zeit gab es keine erfolgreichen Lösungen, wenngleich es breitgefächerte Anwendungsbereiche gibt, zum Beispiel in der Musikwissenschaft und in Musikarchiven, bei Musikverlagen und nicht zuletzt weltweit in der Karaoke-Alltagskultur. Anna Kruspe nahm diese Herausforderung in ihrer Dissertation an der TU Ilmenau an, die Prof. Karlheinz Brandenburg vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT Ilmenau betreute.

Bereits im Diplomstudium mit automatisierter Musikanalyse befasst

Arbeit „Application of automatic speech recognition technologies to singing“ konzentrierte sie sich auf fünf Hauptaspekte: Phonemerkennung, Sprachenidentifikation, Schlagwortsuche, zeitlich-synchrone Text/Gesangs-Zuordnung und Textsuche bei gesungenen Anfragen. Ihr Vorteil dabei: Ihre naturwissenschaftliche Begabung ging immer Hand in Hand mit einer Begeisterung für Musik und Spaß am Spielen unzähliger Instrumente, darunter Klavier, Bass, Gitarre und Saxophon. Fast logisch, dass sie bereits ihr Diplomstudium der Medientechnologie an der TU Ilmenau mit einer Arbeit abschloss, in der es um automatisierte Musikanalyse ging. Während ihrer Promotion an der TU Ilmenau war sie als Fulbright-Stipendiatin an der Johns Hopkins University in Baltimore, USA. Ein weiterer Auslandsaufenthalt führte sie ans National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) in Tsukuba, Japan, wo sie mit Masataka Goto auch den Zweitgutachter ihrer Doktorarbeit fand.

Inzwischen hat Anna Kruspe eine Forschungsstelle beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Jena. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen dort in den Feldern „Deep Learning“ und Social Media-Analyse. Aber Musik hat in ihrem Leben den großen Stellenwert behalten. Zuletzt konnte man sie Ende Juni 2019 zusammen mit einer Mitmusikerin während der „Fête de la Musique“ in Erfurt als Saxophon/Akkordeon-Duo eine Reihe von ABBA-Coverversionen spielen hören.