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Traditionelle Fieberthermometer aus Glas sowie innovative Produkte der Medizintechnik

Landrätin Petra Enders besuchte am 24. September 2019 die Geratherm Medical AG und deren Tochtergesellschaft Capillary Solutions GmbH in Geschwenda.

Rundgang in der Geratherm Medical AG: (v.l.) Dominik Straube, Bürgermeister der Gemeinde Geratal und Geratherm-Werkleiter Denny Holland-Moritz. Foto: wr

Besichtigung der Rohrziehanlage der Capillary Solutions GmbH: (v.l.) Geschäftsführer Denny Holland-Moritz, Landrätin Petra Enders und Bürgermeister Dominik Straube. Foto: wr

Aus diesem Glastropfen werden feinste Kapillare gezogen. Foto: wr

Ja, es gibt sie noch, jene Fieberthermometer aus Glas, denen Millionen Menschen auf der ganzen Welt seit frühester Kindheit begegnet sind, auch wenn sie heute teilweise von elektronischen Varianten abgelöst wurden. Aber eben nur teilweise. In der im Geschwendaer Gewerbegebiet Süd ansässigen Geratherm AG bilden sie nach wie vor das Kerngeschäft. 20.000 Glasfieberthermometer werden dort täglich hergestellt, vier bis fünf Millionen sind es im Jahr, sagte Denny Holland-Moritz, Werkleiter bei Geratherm. Damit diese enorme Produktion in höchster Qualität und reibungslos erfolgen kann hat die Geratherm AG sogar extra ein Tochterunternehmen gegründet, welches einzig und allein dazu da ist, Glaskapillare für die Fertigung von Fieberthermometern herzustellen: die  Capillary Solutions GmbH.

Eine der wenigen börsennotierten Aktiengesellschaften Thüringens

Beiden Unternehmen stattete Landrätin Petra Enders gestern einen Besuch ab. Mit dabei war der Bürgermeister der Gemeinde Geratal, Dominik Straube, sowie Petra Beyer, Mitarbeiterin für Wirtschaftsförderung im Landratsamt Ilm-Kreis. Geratherm-Werkleiter Denny Holland-Moritz, zugleich Geschäftsführer der Capillary Solutions GmbH, stellte beide Unternehmen im Auftrag von Vorstand Dr. Gert Frank vor. Die Geratherm Medical AG ist eine der wenigen börsennotierten Aktiengesellschaften Thüringens. Ihre Aktien werden seit 2000 an der Frankfurter Wertpapierbörse im Primestandard gehandelt und sind im German Entrepreneurial Index sowie im German Healthcare Index vertreten.

Geratherm Medical ist ein international ausgerichtetes Medizintechnikunternehmen mit den Geschäftsbereichen Health Care Diagnostik, Medizinische Wärmesysteme, Cardio/Stroke und Respiratory. An sieben weiteren, zum Teil weltweit agierenden Firmen ist Geratherm mehrheitlich beteiligt, drei davon sind 100-prozentige Töchter. Damit ist das Unternehmen in der Lage, eine enorme Breite an medizintechnischen Produkten anzubieten und international zu vertreiben. Mit 90 Prozent kann Geratherm eine einzigartige Exportquote vorweisen. Nach zahlreichen Ländern Europas werden die Produkte exportiert, nach den USA, in den Nahen und Mittleren Osten und inzwischen auch nach China. Etwa 21,5 Millionen Euro setzt Geratherm jährlich um, 207 Beschäftigte sind dort tätig.

Ungeachtet der Produktvielfalt ist das Fieberthermometer aus Glas die Nummer eins der Fertigung. Diese quecksilberfreien Thermometer sind leicht zu handhaben, sind überaus zuverlässig und lassen sich, im Gegensatz zu elektronischen Fieberthermometern sehr einfach desinfizieren. Die Wurzeln dieses mit höchster Qualität hergestellten Produkts stammen aus dem VEB Thermometerwerk Geraberg, in dem zu DDR-Zeiten diese Produktion konzentriert war. Geratherm ist nach 1990 aus diesem Werk hervorgegangen, wie eine ganze Reihe weiterer heute noch existierender Unternehmen der Temperaturmesstechnik.

Die Produktion von Kapillarrohren in eigene Hände genommen

Ursprünglich wurden die Kapillare für die Fieberthermometer vom Glaswerk Ilmenau geliefert. Als dieses geschlossen wurde, stand die Geratherm-Führung vor dem schwierigen Problem, den Bezug von Kapillaren in der bisherigen Qualität zu sichern. Es gab am Ende die Entscheidung, die Glasproduktion in eigene Hände zu nehmen. 2015 übernahm Geratherm die sogenannte Wanne 1 des Glaswerks mit Mitarbeitern und stellte Kapillare selbst her. Die Capillary Solutions GmbH wurde als Tochterunternehmen gegründet. Zunächst erfolgte die Glasherstellung noch im Glaswerk im Industriepark „Vogelherd“. Mit einer Investition von fünf Millionen Euro wurde schließlich dafür ein neues Gebäude am Standort in Geschwenda errichtet, in dem 2018 die Inbetriebnahme einer Glaswanne mit Rohrziehstrecke erfolgte. Dort werden seitdem Kapillarrohre Hüllrohre und Glasstäbe aus einem Spezialglas für Thermometrie gezogen.

Eine Reihe innovativer Produkte erweckten das besondere Interesse der Landrätin. Als gleichzeitige Vorsitzende des Aufsichtsrates der Ilm-Kreis-Kliniken hatte Petra Enders mögliche Anwendungen in deren Krankenhäusern im Blick. Dabei ging es um ein komplexes Wärmesystem für Patienten während Operationen, um medizintechnische Entwicklungen mit einer App zur Schlaganfallprävention, um einen neuartigen Inkubator für Frühgeborene zur Verwendung in der Magnetresonanzdiagnostik sowie um Produkte zur Lungenfunktionsdiagnostik. Bei einem Rundgang durch die Produktionsstätten der beiden Unternehmen konnte sich die Landrätin einen Überblick über die moderne Fertigung verschaffen. Auch freute sie sich, dass bald wieder die Berufsausbildung in Glasberufen aufgenommen wird. Hierzu hat das Unternehmen bereits enge Kontakte mit dem Berufsschulzentrum des Ilm-Kreises in Ilmenau geknüpft.