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Die Erkennungs-App für Pilze ersetzt nicht das Fachwissen der Pilzsachverständigen

Im Herbst ist Hochsaison für Pilzsammler. Doch Vorsicht ist geboten. Gleich zu Beginn der Hauptsaison gab es im Ilm-Kreis vier heftige Pilzvergiftungen.

Den Holzritterling sollten Pilzsammler stehen lassen. Er ist ungenießbar. Foto: wr

Zu ihrer Pressekonferenz hatte Landrätin Petra Enders auch den Pilzsachverständigen Gunter Jacob aus Langewiesen eingeladen. Anlass waren vier Pilzvergiftungen, die sich Pilzsammler gleich zu Beginn der Saison zugezogen hatten. So mahnte die Landrätin, die versierten Kenntnisse und guten Dienste der fünf Pilzsachverständigen im Ilm-Kreis zu nutzen. Eine Erkennungs-App für Pilze ersetze nicht das geschulte Auge und Fachwissen dieser Experten: „Sie stehen allen Bürgerinnen und Bürgern ehrenamtlich zur Seite und beraten gern zu den Funden.“ Auch Gunter Jacob warnte davor, sich auf eine Pilzerkennungs-App bei der Beurteilung der Essbarkeit von Pilzen zu verlassen. Zu vielschichtig seien die Merkmale von Pilzen und zu groß das Risiko von Verwechslungen.

Verwechslungen mit schweren Folgen

Bei den aufgetretenen vier Pilzvergiftungen unterschied er zwischen tatsächlichen und sekundären Vergiftungen. Echte Vergiftungen kommen zumeist durch Unkenntnis der Arten und durch Verwechslungen zustande. Als Beispiele nannte er den Pantherpilz und den Grauen Wulstling. Während letzterer ein guter Speisepilz ist, führt der Pantherpilz zu schweren Vergiftungen. Leicht zu verwechseln seien auch der Wiesenchampignon und der Karbolegerling, der bei Genuss schwere Magen- und Darmbeschwerden hervorruft. Auch sei es eine Legende, dass alle Röhrlinge essbar seien. Gerade eine der jüngsten Vergiftungen sei auf einen Röhrling zurückgegangen, durch den Genuss des Düsteren Röhrlings. Sekundäre Vergiftungen ziehen sich Pilzsammler zu, wenn sie zu alte und dann meist sehr große Pilze mitnehmen. In alten Pilzen vollziehen sich Eiweißveränderungen, die einen eigentlich guten Speisepilz vollständig verderben.  Werden diese gegessen kann das zu schweren Problemen führen. Gunter Jacob: „In der Öffentlichkeit werden gern die ganz großen Pilze zur Schau gestellt. Dabei sind es gerade diese, die Sammlern den Appetit verderben.“ Also alte Pilze stehen lassen, sie dienen zudem als Sporenträger und sorgen so für den Pilznachwuchs der kommenden Jahre.

Wenn es doch einmal zu einer Vergiftung gekommen ist, gilt es schnell zu Handeln. Mit Hilfe eines Pilzsachverständigen muss der Pilz und damit das Gift ermittelt werden. Der Vergiftete gehört schnellstens ins Krankenhaus. Dieses setzt sich mit der Giftzentrale am Helios Klinikum Erfurt in Verbindung. Dort wird die Behandlung festgelegt. Besser, so Jacob, vor der Zubereitung einen Pilzsachverständigen zu konsultieren, zumal dann, wenn Zweifel an der Essbarkeit aufgekommen sind. Die bisher vier Vergiftungen im Ilm-Kreis sind dank der schnellen Auskunft und Einschätzung der Pilzberatung glimpflich ausgegangen. „Wer beim Sammeln, Transportieren, Lagern und Verarbeiten von Pilzen nicht äußerste Sorgfalt walten lässt, kann das teuer bezahlen“, warnte Gunter Jacob am Ende.

Nützliche Hinweise der Pilzsachverständigen:

  • Es kommt nicht immer auf die Größe an. Oft sind die großen Pilze auch die ältesten. Sie sind für die Verbreitung der Pilze besonders wichtig, weil sie die meisten Sporen abgeben. Sie sind für den Menschen aber auch am wenigsten appetitlich aufgrund ihres Alters und ihrer damit schnelleren Verderblichkeit. Deswegen: Die großen Pilze stehen lassen.
  • Weniger ist mehr. Nicht alle Pilze lassen sich lagern. Deswegen nur so viel mitnehmen, wie man auch wirklich frisch verzehren kann. Wer Pilze lagern will, sollte sich beraten lassen.
  • Frische Luft statt Plastiktüte. Wer Pilze sammelt, sollte sie komplett mit allen Blättern/Mantel am Stiel pflücken. Am besten transportiert man sie in einem luftdurchlässigen Korb und offen. Denn mit der Ernte beginnt die Zersetzung der Eiweiße in den Pilzen und das kann beim Verzehr gefährlich werden. Auskunft geben Pilzberaterinnen und -berater gern.
  • Hinweise auf giftige Pilze geben auch Verfärbungen beim Pflücken oder der Geruch. Die Pilzberatung klärt gern über die Feinheiten bei der Erkennung auf und gibt Hinweise zu den häufigsten Verwechslungen. So gibt es giftige Champignons und Röhrlinge, genießbare Knollenblätterpilze oder Pilze, die genießbar werden, wenn sie von ihrem Schleim befreit werden.
  • Wer Pilze verarbeitet, sollte alle Reste und zur Sicherheit einen übrigen Pilz aufbewahren. So kann im Falle einer Vergiftung schnell und zuverlässig geholfen werden. Auch wer sich nach dem Pilzverzehr übergeben muss, sollte das Erbrochene aufheben. Alles, was Hinweise auf die Art der Vergiftung geben kann, dient der Rettung des Lebens und er Genesung. Eine Liste der aktuellen Pilzsachverständigen liegt auch in den Notfallaufnahmen. Sie werden bei Pilzvergiftungen sofort zu Rate gezogen, weil jede Minute in solchen Fällen zählt.
  • Wer in die Pilzberatung geht, bringt kein Foto von den Pilzen, sondern die Pilze selbst mit. Nur auf deren Grundlage dürfen die Pilzsachverständigen Auskünfte zu den Funden geben.

Die aktuellen Pilzsachverständigen im Ilm-Kreis:

Felix Hampe

Straße des Friedens 11

99330 Gräfenroda

0172/7999307

felix.hampe@email.de

Andreas Gräber

Am Eichicht 12

98693 Ilmenau

03677/8699992

017664414434

InocybeAG@gmx.de

Gunter Jacob

Straße des Friedens 4a

98693 Ilmenau

OT Langewiesen

03677/6890420

0172/7595239

g.jacob@ilm-kreis.de

Christel Widder

Porzelstraße 29a

98694 Ilmenau

OT Möhrenbach036783/80106

Yvonne Gießler-Stumpf

Prof.-Nöller-Straße 43

99326 Stadtilm

OT Großliebringen

03629/4620

0177/7866913

Giftnotruf (Helios Klinikum Erfurt): 0361/730730