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Der Transfer von Wissen ist bedeutender Bestandteil des Kerngeschäfts der Universität

Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, aus dem Ilm-Kreis und der Universitätsstadt Ilmenau trafen sich am gestrigen 27. November zum Transfertag der TU Ilmenau.

Transfertag im Audimax (v.l.): Rektor Pro. Peter Scharff, Beigeordneter Kay Tischer, Oberbürgermeister Dr. Danile Schultheiß, Prorektor Prof. Kai-Uwe Sattler und der CDU-Landtagsabgeordnete Andreas Bühl. Foto: wr

Der Transfertag ist in gewissem Sinne die Fortsetzung der bewährten Veranstaltungsreihe „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ der TU Ilmenau. Im Gegensatz zu der eher kleinteiligen Ausprägung dieser Reihe in den zurückliegenden Jahren, erschien er als Transfertag diesmal allerdings in einem neuen viel größeren Konferenzformat im Audimax. Es ging dabei stets darum, möglichst viele Akteure zusammenzuführen, die ein Interesse an der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in Wirtschaft und Gesellschaft haben, beziehungsweise solches Interesse zu wecken.  So war die Veranstaltung zwar einigermaßen gut besucht, doch weit davon entfernt den Audimax annähernd zu füllen. Der Transfertag wurde mit Unterstützung des Ilm-Kreises und weiterer Partner durchgeführt. Neben Vorträgen standen zwei Workshops ein Innovations-Slam, eine Podiumsdiskussion und ein zwangloser Gedankenaustausch der Teilnehmer am Ende auf dem Programm.

„Hidden Champions“ als Grundgerüst für die hiesige Wirtschaft

Drei Grußworte standen am Anfang: Prof. Peter Scharff, Rektor der TU Ilmenau, arbeitete das grundsätzliche Anliegen von Wissenstransfer heraus. Kai Tischer, Erster Beigeordneter der Landrätin, ging auf die guten Bedingungen für Transfer und Vernetzung im Ilm-Kreis ein, der als wirtschaftlich stärkste Region in ganz Thüringen eine zunehmend herausragende Rolle spielt. Ilmenaus Oberbürgermeister Dr. Daniel Schultheiß präsentierte die Universitätsstadt als Gemeinwesen mit überproportionalen Potenzialen, in denen viele „Hidden Champions“ das Grundgerüst für die hiesige Wirtschaft bilden. Alle drei einte der Gedanke, den Transfer von Wissen und Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft sowohl in seiner Qualität als auch in der Intensität auszubauen.

Professor Scharff hob den Transfer als bedeutenden Bestandteil des Kerngeschäfts der TU Ilmenau hervor, das eben auf den drei Säulen Forschung, Lehre und Transfer beruht. Dabei, so sagte er, sei die Überführung von Ergebnissen der Vorlaufforschung in die Industrie und in Start up’s nur die eine Seite der Medaille. Dazu gehöre aber auch die Überführung von Wissen in die Zivilgesellschaft. Scharff: „Es ist die Voraussetzung einer Demokratie, dass Wissen in die Gesellschaft gebracht wird. Wenn das nicht mehr geschieht, dann scheitert Demokratie.“ Der Rektor machte das an den aktuellen Klimadiskussionen fest. Hierbei werde zu viel geglaubt und zu wenig gewusst, mit fatalen Folgen und gesellschaftlicher Spaltung. Seine Universität sah er auch als Kulturinstitut und geistiges Zentrum der gesamten Region. Gerade hier gehe es darum, alles zu tun, um den Anschluss an die Zukunft nicht zu verlieren: „Eine rückwärtsgewandte Sicht wird uns nicht weiterbringen.“

Transfer künftig in den Rahmen einer zielorientierten Strategie stellen

In den folgenden Impulsvorträgen konkretisierten Wissenschaftler und Unternehmensvertreter ihre Anliegen beim Transfer. Prof. Kai-Uwe Sattler, Prorektor für Wissenschaft der TU Ilmenau, erläuterte in Einzelnen den Transfer als „Dritte Mission“ der TU Ilmenau, die nicht nur aus Wissenstransfer bestehe, zu der auch Personaltransfer, Kooperation, Schutzrechte und Ausgründungen gehören. Die Überführung von Forschungsergebnissen der TU Ilmenau in die Wirtschaft bezifferte er mit Auftragsforschung im Wert von 6,7 Millionen Euro und 18,6 Millionen Euro an Verbundprojekten. Auf 570 Partnerunternehmen verwies er, darunter 165 aus Thüringen. Zudem fänden fünf bis sechs Ausgründungen aus der Universität pro Jahr statt und es stünden aktuell acht bis zehn Ausgründungsvorhaben an. Ungeachtet dessen kündigte er an, den Transfer künftig in den Rahmen einer Strategie zu stellen, die in einer konkreten Zielorientierung bislang nicht vorliege. Die neu gegründete TU Ilmenau Transfer GmbH solle hierbei wesentliche Aufgaben übernehmen. Schwerpunkte seien die Gewinnung weiterer regionaler Partner, die Stärkung unternehmerischen Denkens und die stärkere Einbindung der vier An-Institute der TU Ilmenau.

In weiteren Impulsvorträgen stellte Prof. Stefan Sinzinger, Leiter des Instituts für Mikro- und Nanotechnologie MacroNano® der TU Ilmenau, als „Goldader“ Thüringens vor, wo in den zurückliegenden Jahren Technologien entwickelt wurden, die heute einen großen Schatz bilden. Transfer ordnete er als Symbiose von Wissenschaft und Wirtschaft ein, in der gerade die „Artverschiedenheit“ der beiden Partner Innovationen befördere. Professor Jean Pierre Bergmann, Leiter des Fachgebiets Fertigungstechnik der TU Ilmenau und des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums Ilmenau, unterstrich die Bedeutung des methodischen Wissens beim Transfer in den Mittelpunkt, das mit Fachwissen zu koppeln sei. Dabei gehe es nicht in erster Linie um Produktentwicklung sondern um Methodenentwicklung. Mit Professor Ralf Sommer sprach der wissenschaftliche Leiter eines Instituts, für das der Transfer zentrales Geschäftsmodell ist. Das IMMS Insitut für Mikroelektronik und Machtronik-Systeme gGmbH ist das Transferinstitut zwischen Universität und Industrie schlechthin. Schließlich gab Dr. Denis Dontsov, Geschäftsführer der SIOS Messtechnik GmbH, einen Einblick in die Herausforderungen von Transferprozessen in Produkte. Die Gründung von SIOS beruht auf dem Transfer. Das Unternehmen entstand durch die Überführung von Forschungsergebnissen aus dem Institut für Prozessmess-und Sensortechnik der Fakultät für Maschinenbau der TU Ilmenau.