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Serviceroboter aus Ilmenau erfasst Warenbestände zehnmal schneller als ein Mensch

Am 27. November 2019 fand die feierliche Verleihung des XXII. Innovationspreises Thüringen 2019 statt. Die MetraLabs GmbH ist einer der Preisträger.

Dr. Andreas Bley, Mitgründer, einer der Gesellschafter und Geschäftsführer der MetraLabs GmbH. Foto: GMM, © STIFT

Fünf Spitzenentwicklungen beziehungsweise Unternehmer wurden mit dem wichtigsten Thüringer Wirtschaftspreis, dem „XXII. Innovationspreis Thüringen“, ausgezeichnet. Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee nahm die Auszeichnung gemeinsam mit der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT), dem TÜV Thüringen und der Ernst-Abbe-Stiftung vor. Der Preis ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert. Als eine der bundesweit höchst dotierten Auszeichnungen in diesem Bereich wird der Innovationspreis Thüringen bereits zum 22. Mal vergeben. Er würdigt die Innovationskraft von Unternehmen und soll zur Entwicklung neuer Produkte ermutigen. Der Preis wird in den Kategorien „Tradition & Zukunft“, „Industrie & Material“, „Digitales & Medien“ sowie „Licht & Leben“ vergeben. Mit dem „Sonderpreis für junge Unternehmen“ werden Start-up-Unternehmen unterstützt.

MetraLabs setzt für mobile Service-Robotik Maßstäbe

In der Kategorie „Digitales & Medien“ wurde der MetraLabs GmbH aus Ilmenau der Innovationspreis verliehen. Das Unternehmen hat sich auf mobile Service-Robotik spezialisiert und setzt seit 2007 auf diesem Gebiet Maßstäbe. Damals brachte der erste praxistaugliche Serviceroboter für einen Baumarkt den Erfolg. Es war der weltweit erste Shopping-Roboter, für den die junge Firma mit dem Thüringer Forschungspreis ausgezeichnet wurde. Seitdem wurden mehr als 250 Roboter für unterschiedliche Anwendungen Entwickelt und installiert. Das Unternehmen wurde 2001 von Dr. Andreas Bley, Dr.-Ing. Christian Martin, Dr.-Ing. Johannes Trabert, Dr.-Ing. Matthias Merten gegründet, die damals noch an der TU Ilmenau studierten. Aus einem ehemaligen „Jugend forscht“- Projekt entwickelte sich die Gründungsidee im Bereich der mobilen Robotik. Wesentliche Unterstützung erfuhren sie hierbei vom Fachgebiet Neuroinformatik der TU Ilmenau unter Leitung von Prof. Horst-Michael Groß und der damaligen Gründerinitiative „GET-UP“. 

Den Innovationspreis Thüringen 2019 erhielt MetraLabs für ihren autonomen Roboter „TORY“, der zum Beispiel Mitarbeiter im Einzelhandel von Routineaufgaben wie der Inventur entlasten kann. Der Roboter fährt selbstständig durch die Verkaufsflächen von Super- oder Modemärkten und erfasst dabei die Bestände, Positionen von Produkten und Preisetiketten. Er navigiert mit Hilfe von Laser- und Kamerasensoren durch den Raum und weicht Personen, Regalen oder auch Einkaufswagen aus. Bei Bedarf erledigt er die Aufgabe auch in der Nacht, wenn sich keine Kunden im Geschäft befinden. Der Artikelbestand wird nach Menge und Standort, täglich und ohne Personaleinsatz digitalisiert und kann mittlerweile auch in Warenwirtschaftssysteme eingebucht werden. Erste Kunden in Deutschland und in Europa setzen den Roboter bereits ein. Laut Unternehmen kann „TORY“ Warenbestände zehnmal schneller erfassen als ein Mensch und mit einer deutlich geringeren Fehlerquote. Durch ein Verbundprojekt der Forschungsallianz 3Dsensation  (Konsortium des Förderprogramms "Zwanzig20" des BMBF) ist TORY nun auch in der Lage Regallücken und Positionen von Produkten in Supermärkten zu erkennen.

Das TITK Rudolstadt ist An-Institut der TU Ilmenau

Ein weiterer Preisträger ist mit der TU Ilmenau eng verbunden. Das Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung Rudolstadt e.V. (TITK) ist ein An-Institut der TU Ilmenau und wurde in der Kategorie „Industrie & Material“ mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Das TITK betreibt Werkstoff-Forschung und hat auf dem Gebiet der Polymerwerkstoffe, auch in unterschiedlichen Kombinationen und als Verbund hohe Kompetenzen aufgebaut. Das Institut entwickelt neue Werkstoffe, modifiziert Eigenschaften und funktionalisiert Polymermaterialien. Ausgezeichnet wurde es für die Entwicklung „PTC-ThermoMat" – Effizientes Thermomanagement mittels flexibler, metallfreier Heizmaterialien auf Polymerbasis. Dabei handelt es sich um einen  Spezialkunststoff, der mit geringem Energieeinsatz selbst heizt und sich deshalb insbesondere für den Einsatz in der Automobilindustrie eignet. In Elektroautos fehlt die Abwärme des Motors, so dass elektrische Heizungen notwendig werden, ohne die Batterie zu belasten. Über diese Eigenschaft sowie über gute Regelbarkeit verfügt dieses Material.

Weitere Preisträger

Weitere Preisträger sind in der Kategorie „Tradition & Zukunft“ die HORTEN Aircraft GmbH (Hörselberg-Hainich) und in der Kategorie „Licht & Leben“ die Röber Institut GmbH - Member of the PETKUS Group (Wutha-Farnroda). Der Sonderpreis für Junge Unternehmen wurde an die ICO-LUX GmbH  aus Jena vergeben. HORTEN Aircraft erhielt den Innovationspreis für das Projekt Nurflügel-Flugzeug. Dabei wurde eine alte Idee mit dem Potential aufgegriffen, die Luftfahrt zu revolutionieren. Die Röber Institut GmbH wurde für die Entwicklung eines optischen Sortierers für die qualitativ hochwertige Aufbereitung von Feinsaaten ausgezeichnet. Die Gründer der ICO-LUX GmbH erhielten den Preis für die Entwicklung einer Softwarelösung zur Echtheitsprüfung gescannter und mit Smartphones fotografierter Papierdokumente. Auch hier besteht ein Bezug zu Ilmenau: Die Gründungsidee entstand aus einer Vorlesungsreihe in Ilmenau heraus, die sich mit gefälschten Rechnungen und Belegen auseinandersetzte, durch die bei Krankenversicherungen jährlich Schäden in Millionenhöhe entstehen.

Der Ernst-Abbe-Preis für innovatives Unternehmertum, der bei der Preisverleihung ebenfalls vergeben wurde, ging an Frank Orschler, Geschäftsführer der Königsee Implantate GmbH. Ausgezeichnet wurde er für seine Verdienste um den Wissenschafts- und Technologiestandort Thüringen.  Das Unternehmen wurde 1993 von seinem Vater Erich Orschler gegründet. Sohn Frank übernahm 2004 die Geschäftsführung und löste 2010 seinen Vater als Inhaber ab. Die Königsee Implantate GmbH entwickelt, produziert und vertreibt Implantate und Instrumente für die Traumatologie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie und ist durch stetige Innovationen eines der führenden deutschen Medizintechnikunternehmen auf dem Gebiet der Osteosynthese. Das Familienunternehmen beschäftigt heute über 150 Mitarbeiter und vertreibt seine Produkte in über 35 Länder weltweit.