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Durch das Coronavirus erwarten in diesem Jahr 43 Prozent der Unternehmen Umsatzrückgänge

Die IHK Südthüringen hat vom 4. bis 8. März 2020 ihre Mitgliedsunternehmen zum Coronavirus befragt. 700 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt.

Foto: pixabay.com

„Vor allem bitte keine neue Bürokratie“ – diesen Wunsch formuliert mehr als die Hälfte der 700 Unternehmen, die sich an der aktuellen Umfrage zum Coronavirus der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen beteiligt haben. Nach fünf Tagen Laufzeit wurde diese Umfrage am Sonntag beendet. Das Coronavirus wird auch die Südthüringer Wirtschaft beeinträchtigen, da ist sich die Mehrzahl der Unternehmen sicher. Staatliche Unterstützung ist daher gewünscht – mit einfachen Antragsverfahren und finanziellen Überbrückungshilfen.

IHK-Hauptgeschäftsführer setzt auf finanzielle Überbrückungshilfen

Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, erklärt: „Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung hat mit Anpassungen des Kurzarbeitergeldes und der Ankündigung von Liquiditätshilfen einen ersten Aufschlag unternommen. Wir begrüßen dies, doch unsere Umfrage zeigt, dass weitaus mehr passieren muss, falls die Auswirkungen des Virus Unternehmen längere Zeit die Geschäftsgrundlage rauben. Vor allem finanzielle Überbrückungshilfen und einfach strukturierte Unterstützungsmaßnahmen werden benötigt, branchenoffen, für Soloselbstständige genauso wie für große Unternehmen.“

Infolge des Coronavirus erwarten in diesem Jahr 43 Prozent der Unternehmen Umsatzrückgänge. Hierbei geht jedes vierte Unternehmen von einem zweistelligen Umsatzrückgang aus. Überdurchschnittlich betroffen sind die Reisewirtschaft und das Verkehrsgewerbe (Anteil: jeweils 68 Prozent), das Gastgewerbe (Anteil: 65 Prozent), die Industrie (Anteil 49 Prozent) und der Handel (Anteil: 47 Prozent). Umsatzeinbußen im zweistelligen Bereich erwarten mehr als die Hälfte der Reiseunternehmen, 43 Prozent der Gastwirte und 37 Prozent der Fuhrunternehmer. Bereits heute spüren 41 Prozent der Südthüringer Unternehmen Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Geschäfte. Am stärksten betroffen sind die Reisewirtschaft mit einem Unternehmensanteil von 74 Prozent, die Gesundheitswirtschaft mit einem Anteil von 62 Prozent und das Gastgewerbe mit einem Anteil von 59 Prozent.

Wirkungen des Coronavirus kann sich kaum jemand entziehen

In den kommenden Wochen wird sich kaum jemand der Wirkungen des Coronavirus entziehen können. Vor allem die Absage von Veranstaltungen und Messen sowie Krankheitsfälle der eigenen Mitarbeiter werden zu Beeinträchtigungen führen. Jeweils ein Drittel der Unternehmen erwartet diese Art von Auswirkungen. Darüber hinaus gehen 30 Prozent von einer geringeren Nachfrage nach den eigenen Produkten und Dienstleistungen aus.

Auf Branchenebene ergeben sich einige Unterschiede. Die Krankheitsausfälle werden vor allem von der Gesundheitswirtschaft, der Industrie und dem Baugewerbe betont. Die Absage von Messen und Veranstaltungen und die Befürchtung einer geringeren Nachfrage berühren vor allem die Reisewirtschaft, das Gastgewerbe und die Industrie. Vor allem die Gesundheitswirtschaft und der Handel befürchten außerdem das Fehlen von Waren und Dienstleistungen. Die Reisewirtschaft und das Gastgewerbe erwarten eine Beeinträchtigung ihrer Geschäfte durch Reiseeinschränkungen. Die Industrie hebt hervor, wie wenig planbar das Coronavirus zukünftige Geschäfte und Investitionen macht.

Viele Unternehmen haben infolge des Coronavirus Maßnahmen ergriffen, um ihre Mitarbeiter zu schützen bzw. planen die Einführung entsprechender Maßnahmen. Im Vordergrund stehen mit einem Anteil von 38 Prozent die Beschaffung von Medizin und Hygiene-Material. Häufig genannt werden die Reduzierung der Reisetätigkeiten und die Absage der Teilnahme an Messen und Veranstaltungen (Anteil: jeweils 22 Prozent). Branchenbezogen betreiben in Südthüringen die Gesundheitswirtschaft und die Industrie überdurchschnittliche Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter.

Zwei von drei Unternehmen haben Informationsbedarf zur staatlichen Lohnerstattung

Das Coronavirus stellt die Wirtschaft vor eine ungewöhnliche Situation. Angesichts dessen besteht vielfältiger Informationsbedarf. Natürlich werfen mögliche staatliche Quarantäne-Entscheidungen nach dem Infektionsschutzgesetz die größten Fragen auf. Zwei von drei Unternehmen haben Informationsbedarf zur staatlichen Lohnerstattung nach Infektionsschutzgesetz. An zweiter Stelle stehen Fragen zum Umgang mit Verdachtsfällen oder gar Infizierten im eigenen Betrieb. Hierzu haben 42 Prozent Informationsbedarf. Mehr als ein Drittel der Unternehmen benötigt Informationen zum Kurzarbeitergeld. Branchenbezogen tauchen weitere Fragen auf. Das Verkehrsgewerbe und das Gastgewerbe benötigen Informationen bzw. Beratungen zu Unterstützungsangeboten. In der Reisewirtschaft besteht großes Interesse an Rücktrittsbedingungen bei abgesagten Messen oder Veranstaltungen.

Die IHK Südthüringen hat vom 4. bis 8. März 2020 ihre Mitgliedsunternehmen zum Coronavirus befragt. 700 Unternehmen haben sich an der Umfrage beteiligt. Das entspricht einer Rücklaufquote von 11 Prozent. Thüringenweit antworteten 1.100 Unternehmen (Rücklaufquote: 8 Prozent). Bundesweit beteiligten sich 10.687 Unternehmen an der Umfrage. Die Ergebnisse der Umfrage sind hier abrufbar.