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Bei Geratherm wird die Produktion von Fieberthermometern aus Glas hochgefahren

Das Corona-Virus zwingt manche Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit zu verringern, anderen beschert es einen regelrechten Nachfrageboom.

Produktionsstraße für Glas-Fieberthermometer der Geratherm Medical AG am Standort in Geschwenda. Foto: wr

Die Geratherm Medical AG ist eine der wenigen börsennotierten Aktiengesellschaften in Thüringens. Als international ausgerichtetes Medizintechnikunternehmen mit den Geschäftsbereichen Health Care Diagnostik, Medizinische Wärmesysteme, Cardio/Stroke und Respiratory bietet es eine breite Produktpalette für Anwendungen im Gesundheitsbereich. Aber eines dieser Produkte ist momentan der absolute „Verkaufsschlager“: das Glas-Fieberthermometer. Als sich die elektronischen Fieberthermometer in den 1990er Jahren auf dem Markt durchsetzten, war mancher Abgesang auf dieses traditionelle Messinstrument zu hören. Doch lange vor der jetzigen COVID-19-Pandemie gewann das Fieberthermometer aus Glas wieder an Boden und wurde weltweit nachgefragt. Seither ist es die Nummer eins der Fertigung des im Geschwendaer Gewerbegebiet Süd ansässigen Unternehmens.

Die Nachfrage übersteigt das Angebot

Im September 2019 hatte Landrätin Petra Enders dem Unternehmen einen Besuch abgestattet und bei einem Rundgang durch die Fertigungsräume den aufwendigen Herstellungsprozess der Fieberthermometer in Augenschein genommen. Damals wurden täglich zwischen 16.000 und 20.000 Glasthermometer hergestellt, etwa vier bis fünf Millionen Stück im Jahr. Inzwischen hat die Geratherm AG die Produktion auf gut 25.000 Stück pro Tag hochgefahren und ist so in der Lage, zirka acht Millionen Fieberthermometer im Jahr herzustellen. Allerdings übersteigt die Nachfrage das Angebot weiterhin um ein Vielfaches. So wurde vom Zwei-Schicht-Betrieb auf die Produktion rund um die Uhr umgestellt. Mehr als 200 Mitarbeiter sind in dem Unternehmen tätig.

Denny Holland-Moritz, Werkleiter bei Geratherm, hatte der Landrätin bei ihren Besuch die Gründe für diese Beliebtheit und die starke Nachfrage nach diesen quecksilberfreien Thermometer erläutert. Sie sind leicht zu handhaben und überaus zuverlässig. Zudem lassen sie sich, im Gegensatz zu elektronischen Fieberthermometern, sehr einfach desinfizieren, weil ihr Äußeres aus einer kompletten Glashülle besteht, keine Abschnitte und Einkerbungen aufweist. So werden sie besonders dort gern verwendet, wo nicht immer die vollständige Sterilität von komplexen Oberflächen gewährleistet werden kann. Diese Eigenschaften sind es, die dem Fieberthermometer aus Glas jetzt in der Corona-Krise einen enormen Nachfragesprung beschert haben.

Mit einzigartiger Exportquote auf weltweiten Märkten

Die Geratherm Medical AG kann mit 90 Prozent eine einzigartige Exportquote vorweisen. Neben zahlreichen Ländern Europas werden die Produkte nach den USA, in den Nahen und Mittleren Osten und inzwischen auch nach China und nach Afrika  exportiert. An sieben weiteren, zum Teil weltweit agierenden Firmen ist Geratherm mehrheitlich beteiligt, drei davon sind 100-prozentige Töchter. Damit ist das Unternehmen auf herausragende weise international aufgestellt. Aber auch am Firmenstandort in Geschwenda hat sich diese erfolgreiche Entwicklung in Form von Investitionen niedergeschlagen.

Damit diese enorme Produktion in höchster Qualität und reibungslos erfolgen kann hat die Geratherm AG extra ein Tochterunternehmen gegründet, welches einzig und allein dazu da ist, Glaskapillare für die Fertigung von Fieberthermometern herzustellen: die Capillary Solutions GmbH. Ursprünglich wurden die Kapillare für die Fieberthermometer vom Glaswerk Ilmenau geliefert. Als dieses geschlossen wurde, stand die Geratherm-Führung vor dem schwierigen Problem, den Bezug von Kapillaren in der bisherigen Qualität zu sichern. Es gab am Ende die Entscheidung, die Glasproduktion in eigene Hände zu nehmen. 2015 übernahm Geratherm die sogenannte Wanne 1 des Glaswerks mit Mitarbeitern und stellte Kapillare selbst her. Die Capillary Solutions GmbH wurde als Tochterunternehmen gegründet. Zunächst erfolgte die Glasherstellung noch im Glaswerk im Industriepark „Vogelherd“. Mit einer Investition von fünf Millionen Euro wurde schließlich dafür ein neues Werk am Standort in Geschwenda errichtet, in dem 2018 die Inbetriebnahme einer Glaswanne mit Rohrziehstrecke erfolgte. Dort werden seitdem Kapillarrohre Hüllrohre und Glasstäbe aus einem Spezialglas für die Thermometrie gezogen.