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Der größte Erfolg der Fraunhofer-Gesellschaft kann sein 25. Jubiläum feiern

Vor 25 Jahren trat das Musikformat mp3 seinen Siegeszug um die Welt an. Einer der Entwickler, Prof Karlheinz Brandenburg, lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Ilmenau.

Das mp3-Entwicklerteam am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen. Foto: Fraunhofer-Gesellschaft

Es kommt weltweit eher selten vor, dass eine exzellente technische Entwicklung auch in einen einzigartigen wirtschaftlichen Erfolg mündet. In Deutschland kommt so etwas noch seltener vor. Eine Ausnahme bildet das Musikformat mp3, das vor 25 Jahren seinen Siegeszug um die Welt antrat, wenngleich der wirtschaftliche Erfolg kein deutscher, sondern ein internationaler war und noch ist. Aber inzwischen gibt es Nachfolgeverfahren zur Komprimierung großer Musikdateien und es wird an immer neuen Entwicklungen gearbeitet.

Einer Forschergruppe am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen war dieser Erfolg zu danken. Als einer der Gründerväter und langjähriger Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen hat Prof. Dieter Seitzer die Initiative ergriffen und dem Team um Karlheinz Brandenburg, Martin Dietz, Ernst Eberlein, Heinz Gerhäuser, Bernhard Grill, Jürgen Herre, Harald Popp und Thomas Sporer den Weg geebnet. Seitzer hatte die Idee der Audiokompression an der Universität Erlangen-Nürnberg vorgedacht. Das Team leistete in einem langjährigen Entwicklungsprozess die entscheidenden Beiträge für das Komprimierungsverfahren, das mit dem Aufstieg des Internets eine Revolution in der Musikindustrie auslöste. So wurde mp3 zu einem Paradebeispiel für die digitalen Revolution und die unaufhaltsame Digitalisierung, die schrittweise alle Lebens- und Arbeitsbereiche durchdringt.

Prägendes kulturelles und wirtschaftliches Phänomen

Doch nicht nur als neue Technologie hat mp3 Furore entfaltet. Es erwies sich als prägendes kulturelles und wirtschaftliches Phänomen. Mit der weltumspannenden Verfügbarkeit des Internets und der immer höheren Leistungsfähigkeit von Computern bot mp3 für jedermann die Möglichkeit enorme Mengen an Musiktiteln auf Festplatten zu speichern, die noch kurze Zeit zuvor jeglichen Rahmen gesprengt hätten. Verglichen mit dem Original braucht die mp3-Datei nur noch zehn Prozent des Speicherplatzes. So wurde es möglich Musik extrem schnell im Internet zu übertragen, einer der Gründe für die enorme Popularität, die das Internet in der Folge erzielte.

Ein moderner mp3-Player, so wirbt das Fraunhofer IIS für seine Entwicklung, speichert je nach Speichergröße zwischen 2.000 und 200.000 Minuten Musik, das sind über 130 Tage ununterbrochene Musikwiedergabe. Die gesamte Sammlung eines Musikliebhabers passt so in ein Gerät nicht größer als eine Streichholzschachtel. Nicht zuletzt revolutionierte mp3 die Arbeit der Rundfunkanstalten, die zur Übertragung von Audiobeiträgen teuere Standleitungen nutzen mussten. Nun konnten sie diese einfach über das ISDN-Netz übertragen. Die Musikindustrie, die zunächst geringes Interesse an der Erfindung hatte und deren Verbreitung sogar zu behindern versuchte, musste sich eines anderen belehren lassen. Ohne mp3 ging schließlich auch in dieser Branche nichts mehr.

Karlheinz Brandenburg – einer der erfolgreichsten mp3-Entwickler

Einer, der von Anfang an und maßgeblich an der Entwicklung des mp3-Formats beteiligt war, ist Karlheinz Brandenburg. Bereits in seiner Doktorarbeit setzte er sich mit der Komprimierung großer Dateien auseinander. In Erlangen fand er ein Team, das wie er mit Weitblick und großer Ausdauer an der Lösung des Problems arbeitete, und am Ende auch die Fähigkeit besaß, ein passendes Lizensierungsmodell zu finden. So legten die Entwickler des Fraunhofer IIS am 14. Juli 1995 die Dateiendung „mp3“ für die als MPEG-1 audio Layers 3 bezeichnete Software fest. Damit war mp3 geboren.

Im Jahr 2000 folgte Karlheinz Brandenburg dem Ruf der Technischen Universität nach Ilmenau, wo er die Professur für Elektronische Medientechnik übernahm. Im selben Jahr gründete er die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Digitale Medientechnologie, aus der schließlich das renommierte Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie hervor ging, das er lange Jahre geleitet hat. Mit 65 Jahren schied dort aus und gründete die Brandenburg Labs GmbH, seine eigene Firma, die sich weiter „dem guten Klang“ widmet. Prof. Brandenburg ist einer der erfolgreichsten mp3-Entwickler. Sogar in die „Internet Hall of Fame“ hat er es geschafft.

Die ganze Geschichte des mp3-Erfolgs hat der Autor Franz Miller in seinem Buch „Die mp3-Story - Eine deutsche Erfolgsgeschichte“ niedergeschrieben. Er war ab 1988 in der Fraunhofer-Gesellschaft tätig. Von 2005 bis 2013 leitete er die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.